Tagesimpulse

In den nächsten Wochen bleiben unsere Pfarrkirchen tagsüber zwar geöffnet, aber leider finden Gottesdienste nicht öffentlich statt. Als kleinen Ausgleich dafür, wollen wir als Pastoralteam an dieser Stelle nun täglich kleine geistliche Gedanken und Impulse zum Tag veröffentlichen. Mal als Text, mal als Video und manchmal mit Musik. Zusätzlich laden wir täglich um 19:30 Uhr dazu ein sich mit uns zusammenzuschließen und gemeinsam zu beten. Währenddessen werden auch unsere Kirchenglocken unserer vier Pfarrkirchen läuten.

Wir Priester feiern, stellvertretend für uns alle, täglich die Heilige Messe. Gerne nehmen wir Ihren Fürbitten in unsere Messfeiern mit hinein. Schreiben Sie uns einfach eine E-mail an gebet@neuss-mitte.de. Ebenfalls stehen alle Seelsorger auch für Telefongespräche zur Verfügung. Sie finden die Kontaktdaten auf der Seite des Pastoralteams.

Impuls zur Quirinusoktav


Impuls vom 29.04.2020:

Die Kirche feiert heute das FEST DER HL. KATHARINA VON SIENA (1347-80), eine der ganz großen Frauen der Christenheit, die „Schutzheilige Italiens“ und zugleich eine der vier Kirchenlehrerinnen – neben der hl. Hildegard v. Bingen (+ 1179), der hl. Teresa v. Avila (+ 1582) und der hl. Therese v. Lisieux (+ 1897).

Sie wurde als zweitjüngstes von 25 Kindern einer verarmten Familie geboren und wuchs ohne Schulbildung auf – und erlebte schon als Sechsjährige ihre erste Vision. Wenn sie auch nur 33 Jahre alt wurde, so war ihr ganzes Leben doch eine rastlos-innige Verbindung von Gebet und Arbeit, von Mystik und Politik im Dienste Gottes und der Kirche: Als Mitglied im Dritten Orden des hl. Dominikus lebte sie einerseits zurückgezogen ein intensives geistliches Leben und war dennoch zugleich unentwegt tätig in der Krankenpflege und Sozialarbeit – zur Zeit einer furchtbaren Pest, die ihre Stadt und Umgebung ein Jahr nach ihrer Geburt heimsuchte und in der insgesamt an die 80 000 Menschen starben. –

So schwach und krank sie selber war, vermittelte sie doch zugleich als Friedensstifterin im andauernden italienischen Städtekrieg zwischen gewalttätigen Stadtfürsten, war gesucht und gefragt als Richterin über Könige und Kardinäle, zudem erfolgreich tätig als Beraterin von Päpsten, denen sie furchtlos ins Gewissen redete und so endlich 1377 zur Rückkehr aus dem „Babylonischen Exil“ in Avignon nach Rom bewegen konnte. Ihre 381 Briefe, an Schreiber diktiert, zählen zur klassischen Literatur; sie alle sind durchdrungen von dem einen Wort PACE! – Frieden! Fünf Jahre vor ihrem Tod empfing sie zu Pisa – darin ähnlich dem hl. Franziskus – die Wundmale Christi.           Jahrelang lebte sie als Mystikerin nur vom eucharistischen Brot. Sie zählt zu den größten Frauen der Kirche. Ihr ganzes Leben ist sichtbar gewordene Gnade Gottes.

Von sich selbst schrieb sie:

Seid versichert:
Wenn ich sterbe, ist die einzige Ursache meines Todes
die Liebe zur Kirche.“
Und: „Ich glaube, ich werde nach meinem Tod
mehr für euch tun können als im Leben!“

Im Credo bekennen wir die Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“: Ich bin überzeugt, dass wir heute mehr denn je der Vorbilder und der Fürsprache der Heiligen, zumal solch heiliger Frauen, in der Kirche bedürfen, wenn wir alle – Frauen und Männer – heute unseren Auftrag als Christen miteinander erfüllen wollen.

So beten wir denn heute mit der ganzen Kirche:

Gott, du hast der hl. Katharina von Siena
das Leiden Christi und die Wunden seiner Kirche vor Augen gestellt.
Mach auch uns bereit, die Leiden seiner Kirche mitzutragen,
damit einst seine Herrlichkeit an uns offenbar wird.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.“

Herzlichen Gruß:
Ihr H.J. Schmitz, Pfarrer i.R.


Impuls vom 28.04.2020:

Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot!

Brot gehört zu unseren Grundnahrungsmitteln.
Brot – das hat von alters her einen hohen symbolischen Wert. Nicht umsonst beten wir im Vaterunser um das tägliche Brot.
Brot – was bedeutet uns heute Brot, wo der Hunger in Deutschland in weite Ferne gerückt ist, wo man doch alles kaufen kann, wenn man nur das nötige Geld dazu hat.

Aber darüber hinaus: Wovon leben wir?
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sagt Jesus.

Die evangel. Theologin Dorothee Sölle hat den Satz provokativ ergänzt:  .. er stirbt vom Brot allein.

Es gibt auch einen anderen Hunger, den Hunger nach Leben,
nach Lebenserfüllung, Lebenssinn und Orientierung,
weiterhin  den Durst nach Wahrheit.

Denn das tägliche Brot ist mehr als Essen und Trinken.
Gott geht es um noch viel mehr als um den vollen Magen.
Gott geht es um das ganze Leben, um die Vielen, die in dieser Welt hungern nach Leben:

Menschen, die sich um ihr Leben betrogen fühlen;
Menschen, die ihre Arbeit und ihr Auskommen verloren haben;
Menschen, die gescheitert sind und keinen Weg mehr sehen;
Menschen, die ohne Freunde, ohne Beziehungen sind;
Menschen, die vielleicht mit vollem Bauch aber ohne Würde leben,
          die Hunger haben nach einem Leben, zu dem sie „ja“ sagen können.

Wovon leben wir?
In Tolstois Theaterstück „Wovon die Menschen leben“ soll ein Engel diese Frage beantworten. Dazu wird er auf die Erde geschickt und nachdem er einige Jahre unter Menschen gelebt und viele – auch schlimme – Erfahrungen gemacht hat, weiß er die Antwort:
Nicht die Sorge um das eigene Wohlergehen erhält die Menschen am Leben. Denn auch wer noch so viel vorsorgt, kann doch am Ende einsam und verloren scheitern.
Nicht von der Sorge ums eigene Ich also leben die Menschen,
sondern einzig durch die Liebe,
also dadurch, dass einer für den anderen sorgt.
Und wer in der Liebe lebt, lebt in Gott und Gott in ihm, denn Gott ist die Liebe.
Und von ihm leben wir.

Was bedeutet das für uns? Haben wir schon die Erfahrung gemacht?
Haben wir schon mal gespürt    oder sorgen wir zurzeit für die Erfahrung

Da ist jemand,

  • da für mich, für mein Leben.
  • der speist mich nicht ab.
  • der ist da, auch wenn sonst keiner Zeit hat für mich.
  • der weiß, was ich fühle und was mir fehlt.
  • zu dem kann ich kommen, wann immer ich mag.
  • seine Tür, seine Ohren, seine Augen, sein Herz und seine Hände sind offen für mich Tag und Nacht.

Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.
Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern. Und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“

Diakon Hermann-Josef Lorenzen


Impuls vom 27.04.2020:

Jede Zeit hat ihre Kirchenlehrer

Heute feiert die Kirche einen Ordenschristen, Priester und Kirchenlehrer in Zeiten der „Gegen-Reformation“ und großen Priestermangels: Petrus Kanisius. Jede Zeit hat für sie passende und charakteristische Personen hervorgebracht, welche die gedanklichen Strömungen ihrer Zeit aufnahmen und nach Abgleich mit der vorhandenen Tradition im Sinne der Christenheit in die Lehre der Kirche einbrachten. Wir kennen solche Personen als Kirchenlehrer. Auch Benedikt XVI. dürfte später in diese Reihe einzuordnen sein. Ob Menschen wie Johannes Hartl oder Joyce Meyer posthum dieser Ehrentitel zuerkannt werden wird, wird sich zeigen.

In der heutigen Tageslesung heißt es bei Paulus (1 Kor 2,1-10a): „1 Auch ich kam nicht zu euch, Brüder und Schwestern, um glänzende Reden oder gelehrte Weisheit vorzutragen, sondern um euch das Geheimnis Gottes zu verkünden. …….10 Uns aber hat es Gott enthüllt durch den Geist.“

Gerne möchte ich die Gelegenheit ergreifen, von einem für Erwachsene der heutigen Zeit attraktiven Angebot zur Vertiefung unseres Glaubens und unserer ganz persönlichen Jesus-Beziehung zu berichten. Vor bald 43 Jahren hat Pfarrer Nick Gumbel in der anglikanischen Londoner Gemeinde Holy Trinity Brompton Church die Alphakurse begründet. Dies sind Katechesekurse für Erwachsene, die sich auf die tiefen Fragen im Leben eines jeden Erwachsenen beziehen. Überall bilden wir uns heute weiter, ob im Sport, im Beruf oder im Hobby. Nur im Bereich der Religion merken viele, dass der in der Kindheit erworbene Glauben im Erwachsenenalter ohne eine Art der Weiterentwicklung oft überfordert ist. Genau hier setzen die Alphakurse an der Lebenserfahrung erwachsener Menschen an.

Falls Sie nun neugierig geworden sind, so lassen sie sich doch einmal auf die kurze nachfolgende „Einführungsepisode“ von Alpha ein. Bei Gefallen kann ich ihnen sagen, dass derzeit der in Neuss-Mitte bereits der dritte Alphakurs in Folge läuft. Fast 25 Millionen Menschen haben bislang weltweit Alphakurse besucht. Vielleicht ist ja die Coronakrise und der Umstand, dass Sie nun auf diese Zeilen gestoßen sind, ein Startsignal, sich noch einmal intensiver mit Ihrem Glauben auseinander zu setzen? Es lohnt sich! Ich meinerseits halte Nick Gumbel für eine charismatische Persönlichkeit, die es versteht, heutigen Menschen die Glaubenswahrheiten Gottes zu enthüllen und auf zeitgemäße Art und Weise das Geheimnis Gottes zu verkünden. Auch unser Erzbischof empfiehlt die Teilnahme an Alpha ausdrücklich. Fühlen sie sich eingeladen!

Viel Freude beim Entdecken des eigenen Glaubens wünscht Diakon Georg Langer

(für Interessenten an künftigen Alphakursen bin ich zu erreichen unter diakon.langer@neuss-mitte.de)


Impuls vom 26.04.2020:

Evangelium Joh 21, 1–14
Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch

An jedem Ostersonntag hören wir eine Begegnung von Menschen mit dem Auferstandenen Jesus Christus. Am heutigen 3. Ostersonntag ist es die Begegnung Jesu am See von Tiberias. Die Jünger waren zurück gegangen an die Orte ihrer Herkunft. Sie waren Fischer gewesen, also gingen sie jetzt wieder fischen. Sie wussten wie das geht, aber trotzdem hatten sie keinen Erfolg. Eine ganze Nacht ohne Fischfang, eine ganze Nacht ohne etwas vorzuweisen. Solche Tage kenne ich. Da habe ich gearbeitet, mich angestrengt und am Ende bleibt nichts übrig. Kein Erfolg, im Gegenteil!

Was mich wundert beim heutigen Evangelium: Am Morgen steht Jesus am Ufer, den sie aber nicht erkennen. Er gibt ihnen den Auftrag noch mal die Netzte auszuwerfen und die Fischer tun es. Auf Grund der Aussage eines scheinbar Fremden, eines Nichtfachmanns! Warum murren sie nicht? Ob sie doch gespürt haben, dass es der Herr ist?
Auch wir brauchen manchmal jemanden der uns sagt: Versuch es doch noch mal. Wird schon klappen. Einen Mutmacher.

153 Frische fangen sie, so dass die Netzte fast reißen. Sie brauchen Hilfe von den anderen, die direkt mit anfassen. Wenn Jesus der Auftraggeber unseres Tuns ist, dann ist genug da, eben in Fülle. Man sagt, dass die Zahl 153 für alle damals bekannten Fischarten im See von Tiberias steht. Mehr ist nicht möglich, eben Fülle!
Da erkennt der, den Jesus liebt: Es ist der Herr! Zu dieser Erkenntnis muss Liebe gehören. Das gilt bei uns heute genauso! Nur der liebende Mensch, der offen ist für Gott, erkennt das Wirken Gottes in der Welt.
Eine weitere Parallele zum Ostergeschehen ist die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen am frühen Morgen. Die Nacht ist vergangen, ein neuer Tag bricht an. Und er nahm das Brot und gab es ihnen. Ein echtes Ostermahl.

Ich freue mich, liebe Schwestern und Brüder, wenn wir am kommenden Sonntag dieses Ostermahl mit Christus wieder zusammen in unseren Pfarrkirchen feiern können. Für heute sage ich Ihnen: Es ist der Herr! Halleluja

Msgr. Guido Assmann


Impuls vom 25.04.2020:

Wir feiern heute das FEST DES HL. EVANGELISTEN  MARKUS:

Er war ein Begleiter des Apostels Paulus und des Barnabas auf deren erster Missionsreise – und wird von Paulus auch in einigen seiner Briefe namentlich erwähnt. Der Überlieferung nach soll er die Kirche von Alexandrien gegründet und geleitet haben und dort als Märtyrer gestorben sein. Im 9. Jahrhundert gelangten seine Reliquien nach Venedig, wo ihm die Hauptkirche, der Markus-Dom, geweiht ist.
Markus ist nicht nur der Verfasser des ältesten und zugleich kürzesten Evangeliums. Man kann wohl auch sagen, dass Markus die literarische Gattung „Evangelium“ ganz wesentlich mitentwickelt und auch Matthäus und Lukas bei der Abfassung ihres Evangeliums maßgeblich beeinflusst hat.

Markus bringt in seinem Evangelium zum Ausdruck, dass dieser Jesus von Nazareth, der durch das Land zog und den Anbruch des Gottesreiches verkündete, der dann am Kreuz starb und sich als der Auferstandene seinen Jüngern offenbarte und nun in seiner Kirche gegenwärtig ist, ein und dieselbe Person ist. Mit seinem Evangelium will er den Christen der jungen Kirche nahebringen, was Jesus Christus für sie gegenwärtig bedeutet: Leben in Fülle!

Es geht ihm also nicht in erster Linie um die Dokumentation historischer Fakten; die stehen für ihn ganz im Licht des Ostermorgens. Es geht um die einzig mögliche Antwort des Glaubens auf die Frage: Was bedeutet der auferstandene Christus für dich? So lässt er in seinem Evangelium sozusagen stellvertretend für alle Glaubenden den wachhabenden römischen Hauptmann, der dem gekreuzigten Jesus gegenüberstand, sagen: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“ (Mk 15, 39 b)
Durch die Erzählung vom Sturm auf dem See (Mk 4, 35-41) sollten wir uns in allen Schwierigkeiten der Kirche in der jetzigen Situation von Jesus Christus fragen lassen: „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“

Tun wir alles, was vernünftig ist und glauben wir zugleich, dass Jesus Christus, der gekreuzigte und auferstandene Herr, mit uns ist im Boot auf dem Meer der Zeit und dass er stärker ist als alle widrigen Winde und Wellen.

MARKUS, BITTE FÜR UNS!

Msgr. W. Korfmacher


Impuls vom 24.04.2020:

 

Heute lesen wir im Tagesevangelium den Beginn des 6. Kapitels aus dem Johannesevangelium, genauerhin die Verse 1 bis 6.

Die Brotvermehrungsgeschichte, die als Speisung der 5000 vielen gut vertraut ist.

Brotvermehrungskirche in Tabgha, Altar und Mosaik: vier Brote und zwei Fische.
Foto: Berthold Werner (Public Domain)

Sie ist eines der sieben „Zeichen“ (Wunder), mit denen sich Jesus selbst als Sohn Gottes offenbart. Sie ist der Höhepunkt des Wirkens Jesu in Galiläa im Johannesevangelium. Er selbst gibt sich als Speise hin im Brot, denn er ist wirklich das „Brot des Lebens“, das unseren Hunger stillt (vgl. Joh 6, 35).

Die Brotvermehrungsgeschichte erzählt davon, wie Gott in einer Notsituation Lebensgüter in Fülle gibt. Das Mannawunder und die Speisung des Propheten Elischa, die uns im Alten Testament begegnen, sind Vorbilder für den Text des Tagesevangeliums an diesem Freitag und werden durch Jesus überboten. Jesus will keine Verehrung seiner Person, sondern Glauben an das machtvolle Wirken Gottes.

Und genau darum geht es: um unseren Glauben. Können wir aus tiefem Herzen wirklich glauben, dass Jesus sich uns im Brot schenkt. Ja, dass Gott selbst sich im Brot hingibt für uns, „damit wir das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10, 10b)?

In diesen, für die ganze Menschheit äußerst bedrängenden Zeiten der Corona-Pandemie, in der unzählige Christen das Sakrament der Eucharistie seit Wochen nicht empfangen können, kann uns das heutige Tagesevangelium vielleicht Mut machen: Gott, der uns in Jesus Christus, im Brot des Lebens nahekommen will, vermag es auch unter äußerst schwierigen Bedingungen, unseren Hunger zu stillen und mehr zu schenken als wir zum irdischen Leben brauchen.

So möchte ich diesen kurzen geistlichen Impuls mit den Worten des heutigen Tagesgebets schließen:

Gütiger Gott,
bewahre dem Volk der Erlösten
deine Liebe und Treue.
Das Leiden deines Sohnes hat uns gerettet,
seine Auferstehung erhalte uns in der Freude.

Pfarrer Elmar Kirchner


Impuls vom 23.04.2020:

„Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben.“ (Joh 3,36)

Diesen Satz lesen wir am Ende des heutigen Tagesevangeliums (Joh 3,31-36).

Wir haben hier das Glaubenszeugnis Johannes des Täufers über Jesus Christus vor uns.

Was aber ist Glaube?

John Henry Newman hat es einmal so gesagt: „Glauben ist seinem Wesen nach Annahme einer Wahrheit, die unsere Vernunft nicht erreichen kann; einfach und unbedingt auf Zeugnis hin.“

Genau das wird uns hier wiedergegeben: Johannes der Täufer legt im Glauben Zeugnis von Jesus Christus ab im Hinblick auf das ewige Leben der Menschen, die Jesus Christus nachfolgen. Wer an Jesus Christus glaubt, hat das ewige Leben.

Wenn wir in diesen österlichen Tagen immer wieder an die Auferstehung Jesu Christi denken und sie feiern, dürfen wir dabei auch an unsere eigene Auferstehung denken, die uns Jesus Christus selbst verheißen hat. Bereits Johannes der Täufer hat davon Zeugnis abgelegt. Und wenn wir Jesus Christus nachfolgen, ist unser Zeugnis als österliche Menschen heute gefragt.

Vielleicht fällt es vielen in diesen Tagen der Pandemie schwerer, froh die Auferstehung Jesu Christi zu verkünden und dabei an die eigene Auferstehung von den Toten zu denken. Aber das Zeugnis Johannes des Täufers ist wahr, das Zeugnis Jesu Christi ist wahr, und auch unser eigenes Zeugnis heute soll wahr sein. Dazu sind wir berufen.

Wenn wir fest an Jesus Christus glauben, ist damit auch die Perspektive auf unser eigenes ewiges Leben bei Gott mitgegeben.

Diese hoffnungsvolle Botschaft für unser eigenes Leben – hier auf Erden und erst recht im Himmel bei Gott – kann auch Corona nicht ersticken. Deshalb sind wir immer wieder eingeladen und aufgerufen, uns das Zeugnis des Johannes zu eigen zu machen und weiterzutragen:

„Wer glaubt, hat das ewige Leben.“

Ihr Pfr. Dalhaus 


Impuls vom 22.04.2020:

Erste Lesung Apg 5, 17-26

Lesung aus der Apostelgeschichte
In jenen Tagen
17 erhoben sich voll Eifersucht der Hohepriester und alle, die auf seiner Seite standen, nämlich die Gruppe der Sadduzäer.
18 Sie ließen die Apostel verhaften und in das öffentliche Gefängnis werfen.
19 Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore, führte sie heraus und sagte:
20 Geht, tretet im Tempel auf, und verkündet dem Volk alle Worte dieses Lebens!
21a Sie gehorchten und gingen bei Tagesanbruch in den Tempel und lehrten.
21b Währenddessen kam der Hohepriester mit seinen Begleitern. Sie riefen den Hohen Rat und alle Ältesten der Söhne Israels zusammen; man schickte Boten zum Gefängnis, um die Apostel vorführen zu lassen.
22 Die Diener gingen, fanden sie aber nicht im Gefängnis. Sie kehrten zurück und meldeten:
23 Wir fanden das Gefängnis sorgfältig verschlossen und die Wachen vor den Toren stehen; als wir aber öffneten, fanden wir niemand darin.
24 Der Tempelhauptmann und die Hohenpriester waren ratlos, als sie das hörten, und wussten nicht, was nun werden sollte.
25 Da kam jemand und meldete ihnen: Die Männer, die ihr ins Gefängnis geworfen habt, stehen im Tempel und lehren das Volk.
26 Da ging der Tempelhauptmann mit seinen Leuten hin und holte sie, allerdings nicht mit Gewalt; denn sie fürchteten, vom Volk gesteinigt zu werden.

 

Evangelium Joh 3, 16-21

16 Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
18 Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
19 Denn mit dem Gericht verhält es sich so: Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse.
20 Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
21 Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

 

Gesamte Tagesliturgie vom 22. April

Impuls vom 21.04.2020:

The Mandalorian – warum Serien gute Glaubensimpulse sind

The Mandalorian ist eine Serie, die im sogenannten Star-Wars-Universum spielt. Ein Kopfgeldjäger stellt bei einem Auftrag fest, dass es sich um ein Kind handelt. Aus einer Intuition heraus entschließt er sich, das Kind seinem Auftraggeber wieder abzunehmen und es zu beschützen. Nach kurzer Zeit erweist sich seine Intuition als wichtig: das Kind kann die Macht nutzen – diese kann Dinge jenseits physikalischer und biologischer Gesetzmäßigkeiten in Bewegung bringen. Damit gerät er ins Visier von anderen Kopfgeldjägern. Vom Kopfgeldjäger zum Beschützer, der sich auf der Flucht quer durch die Galaxis immer wieder in Isolation und Lebensgefahr begibt, allein für ein besonderes Kind mit außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Vom Saulus zum Paulus, Umkehr, Berufung, Mission, Zeugnis geben, für eine Überzeugung dem Tod ins Auge sehen, für das Wichtigste alles Zurücklassen: Motive, die ich in den überlieferten Worten und Taten von Jesus Christus bis hin zur Wirkungsgeschichte seiner Auferstehung – der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen wiederfinde.

Ich finde es für mich auch spirituell unheimlich ergiebig, sich von solchen Serien inspirieren zu lassen – soviel kann ich entdecken, was mich selber zum Nachdenken über meine eigene Beziehung zu Gott, Jesus Christus und dem Hl. Geist bringt.

Vielleicht ist es nicht immer die komplette Serie, die mir Impulse für mein (Glaubens-)Leben mitgibt, aber es reicht eine einzige Folge, eine einzige Szene, die wertvoll für mich wird.

Oder der Animationskurzfilm „Bao“, den ich gestern noch gesehen habe: Eindrücklicher und emotionaler können keine Bücher das Thema Abschied und Loslassen erfahrbar machen. Oder ein anderer Kurzfilm aus der Animationsfilmschmie, „Float“ nutzt die Stärke der Visualisierung, um eine Vater-Sohn-Beziehung in einfühlsame Bilder zu bringen, die ihre Wurzel wiederum in der Realität haben: Der Regisseur verarbeitet damit die Beziehung zu seinem Sohn, der eben etwas anders ist als andere Kinder. Gänsehaut und Tränenmoment.

Also Mut, nicht nur zu konsumieren – ob es bei Netflix, Disney+, Amazon Prime unundund sondern sich inspirieren zu lassen: Für das eigene Leben, den Glauben, die Gottesbeziehung…

Im Übrigen hat die Serie The Mandalorian im Gegensatz zu den biblischen Inspirationsquellen einen entscheidenden Nachteil: Es läuft erst die erste Staffel und nur einmal in der Woche – Freitags – kommt eine neue Folge. Wie die Geschichte sich entwickelt, wird noch lange für Spannung Sorgen.

Thomas Burgmer


Impuls vom 20.04.2020:

Ich bin die Frau – Maria – Mutter aller Völker. Du kannst sagen: die FRAU ALLER VÖLKER oder MUTTER ALLER VÖLKER.“ (11.02.1951)

Um tiefer zu verstehen, warum die Gottesmutter unter dem Titel „FRAU“ erscheint, muss man die Hl. Schrift aufschlagen, denn nur dort eröffnet sich uns die Bedeutungsfülle dieses Wortes.

  1. In der Genesis lesen wir von der FRAU, die vereint mit ihrem Sohn der Schlange den Kopf zertritt: „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse.“ (Gen 3,15)
  2. Auf der Hochzeit zu Kana begegnet uns die fürbittende und gnadenvermittelnde FRAU: „Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,4f.)
  3. Das Johannesevangelium beschreibt uns die miterlösende FRAU auf Kalvaria: „Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn!“ (Joh 19,26) Das bestätigt die Botschaft vom 06.04.1952: „Beim Kreuzesopfer schenkte der Sohn diesen Titel der ganzen Welt.“
  4. In der Apokalypse lesen wir von der FRAU als der Sonnenumkleideten: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1)

Als „FRAU“ wird Maria also immer dann bezeichnet, wenn es um ihre universale Mutterberufung geht. Erinnert sie uns doch: „Die Menschen sind der Mutter anvertraut.“ (15.08.1951)

Hinsichtlich dieses Titels gab die Mutter aller Völker auch zahlreiche tröstliche Versprechen: „Unter diesem Titel wird sie die Welt retten.“ (20.03.1953) „Die Frau aller Völker wird der Welt Frieden bringen dürfen. Sie muss jedoch unter diesem Titel darum gebeten werden.“ (11.10.1953) Sie ist wahrhaft die Mutter für alle Völker, Stämme und Rassen, welchem Religionsbekenntnis auch immer sie angehören. Sie liebt all ihre Kinder.

www.de-vrouwe.info 

P. Gregory

 


Impuls vom 19.04.2020:

 

Am 19. April gedenkt die Kirche des hl. Papstes Leo IX.
Der Überlieferung nach gab er seiner Schwester Gepa die Reliquien des hl. Quirinus zur Übertragung nach Neuss.

 TAGESGEBET

Ewiger und treuer Gott,
du hast deinem Volk im heiligen Papst Leo IX. einen Hirten gegeben,
der von tiefem Glauben erfüllt war
und sein Leben ganz im Dienst für die Kirche einsetzte.

Auf seine Fürsprache
gib deinem Volk die Gnade, sich zu erneuern.
Hilf uns, Spaltung und Trennung zu überwinden,
damit alle, die sich Christen nennen,
im Glauben und in der Liebe eins werden.
Darum bitten wir durch Jesus Christus.


Impuls vom 18.04.2020:

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Beterinnen und Beter,

als heutigen Tagesimpuls habe ich für uns folgende Auszüge aus einer „österlichen Litanei“ von Paul Ringseisen ausgesucht.

Mögen wir alle in unserem  Beten und Handeln erfahren, dass der von den Toten auferstandene Jesus uns wie die „Emmausjünger“ begleitet auf all unseren Wegen!

Ihr/Euer
Diakon Michael Thiele

Österliche Litanei

Jesus, du Weggefährte deiner Jünger –             Geh mit uns!
Du verborgener Weggefährte –
Du unerkannter Weggefährte –
Du verstehender Weggefährte –
Du besorgter Weggefährte –
Du zielbewusster Weggefährte –
Du geduldiger Weggefährte –
Du brüderlicher Weggefährte –
Du göttlicher Weggefährte –

Wenn wir Gott nicht mehr begreifen  –                Geh mit uns!
Wenn wir enttäuscht sind von Gottes Wegen –
Wenn unser Glaube erstirbt –
Wenn unsere Hoffnung erlischt –
Wenn unsere Liebe verstummt –
Wenn der Zweifel an uns nagt –
Wenn Verzweiflung nach uns greift –
Wenn es ausweglos wird –
Wenn unsere Augen nicht mehr weitersehen –
Wenn unsere Füße nicht mehr weitergehen –
Wenn unsere Herzen ausgebrannt sind –
Wenn alles zum Davonlaufen ist –

Herr, du hast Raum für unsere Not –                    Geh mit uns!
Du hast ein Ohr für unsere Not –
Du gehst ein auf unsere Not –
Du fragst uns, was geschehen ist –
Du fragst uns, was uns ratlos macht –
Du fragst uns, was uns hilflos macht –
Du fragst uns, was uns traurig macht –
Du nimmst uns an mit unserer Not –

Christus, du Anführer unserer Wege –                     Geh mit uns!
Auf dem Weg durch das Dunkel –
Auf dem Weg in das Licht –
Auf dem Weg durch unsere vielen Tode –
Auf dem Weg in unsere Auferstehung –
Du Mitgeher auf all unseren Wegen –
Du Mitgeher auf all unseren Abwegen –
Du Mitgeher auf all unseren Irrwegen –
Du Mitgeher auf all unseren Umwegen –
Du unser einziger Weg zum Heil –

Geh mit uns!  Amen.

 (in: Paul Ringseisen, Ruf und Anruf. Neue Litaneien, Don-Bosco-Verlag, München, S. 16ff.)

Foto: Michael Thiele

Lied zur Erstkommunion
Text, Melodie und Orgel: Peter Höngesberg / Gesang: David Langer


Impuls vom 17.04.2020:

Impuls: Gemeindeassistentin Caja Steffen, Orgel: Michael Landsky


Impuls vom 16.04.2020:

Auch wenn wir Ostern in diesem Jahr ohne die Gemeinschaft unserer Gemeinden nur sehr still und eingeschränkt feiern können, so ist und bleibt Ostern doch der Dreh- und Angelpunkt unseres Christenlebens und des ganzen Kirchenjahres.

Schon in seinem 1. Brief an Gemeinde in Korinth, dem ältesten Osterzeugnis im Neuen Testament, schreibt der Apostel Paulus:

„Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos
und ihr seid immer noch in euren Sünden;
und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren.
Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben,
sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.“ (1 Kor 15, 17 ff)

 Ich las den Satz: „Entweder sind wir Christen ‚Ostermenschen‘ – oder aber keine Christen mehr!“ In der Tat steht und fällt unsere ganze christliche Glaubens-Existenz mit Ostern. Freilich: An Ostern scheiden sich nach wie vor die Geister.
Ostern aber geht alle an! Denn Ostern entscheidet  über Sinn und Ziel der Welt und unseres ganzen Lebens – gerade auch in diesen schweren Zeiten, in denen es weltweit um Leben und Tod von vielen Menschen geht.

Ostern entscheidet über Sinn und Zukunft unseres Lebens über unseren Tod hinaus – auch darüber, ob unsere Welt auf Dauer wirklich Hoffnung haben und behalten kann trotz Seuchen und Hunger, Krieg und Terror weltweit. Die Auferstehung Jesu Christi ist und bleibt da die entscheidende Nagelprobe unseres Christen-Glaubens, auch dann noch, wenn viele da ihre Glaubens-Zweifel hegen.
Gegen alle „bruta facta“ von Leid- und Todeserfahrungen weltweit haben wir an Ostern dennoch im „Exultet“, dem Jubelruf der Osternacht, unser Christus-Bekenntnis als Hoffnungslied in die ganze Welt hinein gesungen: „Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg!“

Ein Osterlied in unserem  Gotteslob (Nr. 472) besingt diese Oster-Erfahrung der Auferstehung Christi auch schon inmitten unseres Lebens –eine Einladung, auch über persönliche Ostererfahrungen im eigenen Leben nachzudenken:

„Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung:
Stunden werden eingeschmolzen – und ein Glück ist da.
Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung:
Mauern werden übersprungen – und der Geist ist da.“   (A. Albrecht, 1974)

Beten wir mit den Emmaus-Jüngern auf ihrem Glaubensweg –
besonders dann, wenn es dunkel wird in unserem eigenen Glaubens-Leben:

„Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden
und der Tag hat sich geneigt!“ (Lk 24, 29)

Ihr H.J. Schmitz, Pfarrer i.R.


Impuls vom 15.04.2020:

Im Heutigen Tagesevangelium (Joh 20, 11-18),
wird Maria Magdalena uns als eine Lernende vorgestellt. Ein kühner Gedanke?
Sie wird beschrieben als eine Frau, die in die große Krise ihres Lebens gerät.
Eine Frau, der der tragende Grund unter den Füßen weg gebrochen ist.
Der Rabbuni, der der Inhalt ihres Lebens war, Jesus Christus, ist tot.
„Maria aber stand draußen… und weinte.“ (Joh 20, 11)

Wie ist es heute bei uns?
Welcher Teppich ist unter unseren Füßen weggezogen worden? Wo stehen wir draußen, oder in der heutigen Situation in Quarantäne, auf kleinstem Raum zurückgezogen?
Maria Magdalena reagiert, wie Menschen bei einer Konfrontation mit einem unerwarteten Schicksal, bei ihr ist es der Tod Jesu Christi, immer wieder reagieren.
Tränen über Tränen und immer wieder die alte Frage „Warum?“ und „Wie soll es weitergehen?“
Sie will es dann genau wissen. Sie geht an den Ort, der ihr Gewissheit verschaffen kann, dass alles nicht nur ein böser Traum ist. Sie geht zum Grab. Und sie weint. Draußen vor dem Grab. In der Erstarrung der Trauer und der Verzweiflung.
Gut, dass ihre Kraft ausreicht, einen Blick in das Grab zu werfen. Sich der Unbegreiflichkeit und der Unausweichlichkeit ihrer Situation auszusetzen. Sie wagt den Blick in Richtung des Unvorstellbaren, auf das fürchterliche, oder ist es sogar das Grauen?

Und dann wird Maria mehrmals angesprochen: „Frau, warum weinst du?“ (Joh 20, 13, 15)
Diese Frage bleibt nicht ohne Wirkung. Wie eine Frage, wenn sie gut gestellt ist, selten ohne Wirkung bleibt. Weil sich etwas lösen kann. Weil das Schweigen seinen Schrecken verliert. Und womöglich sogar gebrochen wird.
Die schlichte Frage: „Frau, warum weinst du?“ – sie bewirkt das kleine Wunder des Alltäglichen, denn Maria Magdalena antwortet, sie spricht über ihr Leid.
Zum ersten Mal findet sie Worte, durchbricht die Sprachlosigkeit und in ihre Starre kommt Bewegung.
Mit einer Klage lässt sie ihrem Schmerz und ihren Tränen endlich freien Lauf:
Es ist erstaunlich, wie schnell Maria lernt.
Sie lernt, von dem zu sprechen, was ihr eben noch die Sprache verschlagen hat.
Und sie schickt sich an, das Grab zu verlassen.
Sie wendet sich wieder dem Leben zu. Sie kann reden. Aber sie kann noch nicht sehen.
Dafür muss sie sich umdrehen. Sie muss die Richtung ändern, die Blickrichtung, nicht die Grundlage, der Boden auf dem steht und Jesus glaubt und liebt.
Und diese Blickrichtung muss nicht unbedingt Rückwärts sein, besser ist es, wie sagen wir oftmals, über den Tellerrand hinaus zu sehen. Die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Und dann wird nur ein Wort gesprochen „ Maria“
Ein Wort nur: Ihr Name! Maria! Bis tief in ihr Innerstes wird sie getroffen.
„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen!“
Die alte Erfahrung aus dem Buch des Zweiten Jesaja – sie war damals schon ein halbes Jahrtausend alt. Und sie bewirkt Wunder – große Wunder! – bis heute.
Seit bei unserer Taufe einmal unser Name mit seinem verbunden wurde, hat er unsere Namen nicht vergessen. Er hat einmal gesagt: „Ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Ich werde mit Namen gerufen. Werde auf meine Identität hin angesprochen.
Auch Maria antwortet nur mit einem einzigen Wort. „Mein Meister!“
Wird jetzt alles wieder gut ? Ist alles wieder so wie früher !?. Doch der Wiederentdeckte legt Widerspruch ein.
Maria kann wieder sehen. Aber der Perspektivenwechsel bleibt ihr nicht erspart.
Die Sichtwiese ist eine andere, neue geworden.

Was kann uns das nicht nur in diesen Zeiten, sondern grundsätzlich sagen?

Mit jemandem zu sprechen, der im Augenblick nicht ein noch aus weiß, dem der Kontakt fehlt, der gerne (nochmal) in den Arm genommen werden möchte, was solange die Krise dauert nicht möglich ist, ihn anzusprechen, anzurufen, vielleicht sogar ein Video-Telefonat zu ermöglichen,
das sehe ich doch als ein zutiefst österliches Geschehen.
Vertrauen wir der heilenden Kraft des ansprechenden Wortes.
Versuchen wir zu helfen, den Perspektivenwechsel zu ermöglichen und das neu zu sehen, was das eigene Leben unansehnlich macht.
Weil auf diese Weise eine Idee von etwas Neuem, etwas Anderem, Leben überhaupt erst ermöglicht wird. Und sei’s zunächst nur mit den kleinen Wundern des Alltäglichen.
Maria kehrt darum auch nicht einfach in ihr altes Leben zurück.
In ihre alten Lebenszusammenhänge zwar sehr wohl.
Aber als eine andere. Eine von Grund auf Veränderte. Als Mensch mit einem neuen Lebensthema.
„Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammen gewesen waren und die nun klagten und weinten. „ Mk 16, 10
Wer nicht die Gabe hat, große Worte zu machen, der kann seinen Mitmenschen mit einem fröhlichen Herzen und Gesicht sowie mit einer dankbaren und hilfsbereiten Haltung zeigen, dass sein Herr auferstanden ist und lebt.
Lasst uns nicht unsere Zeit mit Jammern, Klagen und Trauern verschwenden, sondern lasst uns durch die Kraft dieses Geistes in der rechten Osterfreude leben, und lasst uns diese Freude an andere weitergeben!

Wir beten:
Herr Jesus Christus. Du hast selbst tiefes menschliches Leid erfahren und bist durch den Tod hindurchgegangen. Am Ostertag bist du der Maria und deinen Jüngern begegnet und hast sie mit deiner Auferstehung aus ihrer Dunkelheit befreit.
Wir bitten dich:
Schenke allen Menschen, die deine Osterbotschaft hören,
und auch uns,
dass wir von deiner Osterfreude angesteckt werden.
Hilf uns, mit deiner Gegenwart das zu überwinden, was uns noch quält und drückt.
Hilf uns die Osterbotschaft durch aktives Helfen nach unserer Kraft verkünden.
Dir sei die Ehre in Ewigkeit.


Impuls vom 14.04.2020:

Er ist wirklich auferstanden! – Ein Augenzeugenbericht

Am sonnigen Dreikönigstag 2008 verstarb mein Vater mit 72 Jahren an einer Blutvergiftung. Er kam zunächst mit Rückenschmerzen ins Krankenhaus, wo sich eine verschleppte Harnweginfektion in weniger als zwei Tagen zur tödlichen Sepsis entwickelte. Das ging für die Angehörigen unter dem Ablauf der medizinischen Maßnahmen so schnell, dass kein Abschied voneinander genommen werden konnte. Er nach seinem Tod haben wir an seinem Sterbebett mit einem Priester beten können.

Bei der Beerdigung fragte mich ein enger Verwandter, ob mein Vater jetzt wohl im Himmel sei, denn daran hatte mein Vater zeitlebens fest geglaubt. Der Verwandte meldete seine Zweifel an. Und in Kenntnis meines Vaters sagte ich ihm, dass – wenn wir eines bräuchten- er uns ein ZEICHEN geben werde, dass er im Himmel bei Gott angekommen sei.

Am Ostermorgen dieses Jahres ging ich früh zum Grab meines Vaters auf dem Hauptfriedhof. Es hatte leichten Raureif. Als ich ankam, entdeckte ich sofort, dass die Stelle, wo mein Vater bestattet lag, merkwürdig eingefallen aussah. Fast so unordentlich wie ein ungemachtes Bett, aus dem man eben aufgestanden ist. „Ein leeres Grab am Ostermorgen? Was für ein besseres Zeichen konnten Gott und mein Vater mir und dem Zweifler schicken?“ fuhr es mir durch den Kopf. Jetzt konnte ich schlagartig die Frauen am leeren Grab Jesu verstehen, von denen heute im Tagesevangelium (Mt 28,8-15) die Rede ist. Am liebsten hätte ich mein Erlebnis sofort jedem erzählt. Und ich machte mich eilig auf den Weg heim.

Der Zweifler verstand das Zeichen anders. „Wahrscheinlich ist der Sarg der Jahre zuvor darunter bestatteten Oma eingebrochen!“, war seine naturalistische Erklärung für das Geschehene. Bis heute hadert dieser Angehörige mit dem plötzlichen Tod meines Vaters und dem verpassten Abschied. Das gleiche Ereignis aus meiner Sicht, hat jedoch seitdem mein Leben gründlich umgekrempelt: 2010 fuhr ich nach Israel. 2013 begann ich eine Ausbildung zum Diakon. Seit 2017 darf ich als Diakon mit Zivilberuf in der Gemeinde Dienst tun. Und ich stelle fest, je mehr ich mich auf Gott einlasse, desto tiefer beschenkt er mich mit innerem Frieden, vielen Wirkmöglichkeiten, mancher Einsicht und vielen intensiven Erlebnissen seiner Gegenwart.

Ich grüße Sie an diesem Osterdienstag zwölf Jahre später mit der festen Überzeugung: „ER ist wirklich auferstanden!“

Ihr Diakon Georg Langer

Bild des Auferstandenen Jesus aus dem Isenheimer Altar in Colmar, dessen Farben 504 Jahre später hell und österlich strahlen


Trailer des Films „Auferstanden“ von 2016
Quelle: YouTube | KinoCheck


Impuls vom 13.04.2020:

Liebe Schwestern und Brüder!

Mit schöner Regelmäßigkeit werden in sogenannten „Doku-Sendungen“ die wildesten Verschwörungstheorien entwickelt, auch in Bezug auf die Osterbotschaft vom leeren Grab und die Auferstehung Jesu. Man will beweisen, dass das Grab entweder gar nicht leer oder Jesus am Kreuz nicht wirklich tot war und von einer Auferstehung keine Rede sein kann.

Das älteste schriftliche Zeugnis über die Auferstehung Jesu, geschrieben um das Jahr 55, findet sich im 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther (1 Kor 15, 1-8. 11) und ist auch in der zweiten Lesung des heutigen Ostermontages zu hören.

Dort heißt es:

„Denn vor allem habe ich euch überliefert,
was auch ich empfangen habe:
Christus ist für unsere Sünden gestorben,
gemäß der Schrift und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tage auferweckt worden gemäß der Schrift
und erschien dem Kephas, dann den Zwölf.“

Entscheidend für den Glauben an die Auferstehung des gekreuzigten und begrabenen Christus ist hier nicht die Erwähnung eines leeren Grabes, sondern die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst, so wie es auch Paulus selbst erlebt hat, als er auf seinem Weg nach Damaskus durch die Begegnung mit ihm buchstäblich aus der Bahn geworfen und so von einem fanatischen Christenverfolger zum Apostel der Heiden wurde.

Auch die beiden Emmaus-Jünger, von denen im heutigen Evangelium die Rede ist (Lk 24, 13-35) wussten, dass das Grab Jesu am Ostermorgen leer war. Doch zum Glauben an seine Auferstehung kamen sie erst, als sie ihm auf ihrem Weg nach Emmaus begegneten und wie sie ihn erkannten, als er das Brot brach.

Das alles bedeutet für uns, dass auch wir erst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen zum Glauben an seinen Sieg über Bosheit und Tod dieser Welt gelangen können. Diese Begegnung können wir nicht erzwingen, uns aber von ihm schenken lassen. Denn er macht sich für uns berührbar im Wort der Hl. Schrift, im Gebet und vor allem im Sakrament des Altares.

Leider können wir an diesem Osterfest nicht gemeinsam das Geheimnis der Eucharistie feiern, in der er uns das Brot bricht und in diesem uns Lebensmittel und Lebensmitte wird zu einem Leben mit Gott in Zeit und Ewigkeit.

Vielleicht wird uns jetzt wieder deutlich, wie wichtig und über die Maßen wertvoll seine eucharistische Gegenwart im Tabernakel unserer Kirchen ist: Die Kirchen stehen uns, Gott sei Dank, noch offen. In ihnen ist der Herr im gewandelten Brot gegenwärtig und will uns begegnen, damit auch wir gestärkt werden im Glauben an seine Auferstehung, die auch unseren Tod überwunden hat.

Lasst uns beten:

Herr Jesus Christus, im wunderbaren Sakrament des Altares
hast du uns das Gedächtnis deines Leibes
und deiner Auferstehung hinterlassen.
Gib uns die Gnade,
die heiligen Geheimnisse deines Leibes und Blutes so zu verehren,
dass uns die Frucht der Erlösung zuteilwird.
Der du lebst und herrschst in Ewigkeit.
Amen.

Msgr. W. Korfmacher

Mottobild der diesjährigen Erstkommunionvorbereitung
(Foto: Diakon Michael Thiele)
Lied zur Erstkommunion
(Text, Melodie und Orgel: Peter Höngesberg / Gesang: David Langer)

Impuls vom 12.04.2020:

Ostergruß von Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann
Halleluja von Händel
Ostern 2018 St. Quirin
Münsterchor Neuss, Dirigent Felix Neugart, Orgel: Joachim Neugart


Impuls vom 11.04.2020:

Karsamstag: Tag der Stille

Karsamstag ist ein ganz besonderer Tag, ein Tag der Stille: Stille gegenüber dem Leiden, Stille gegenüber dem Opfer, Stille gegenüber dem Tod. Für einen Christen sollte jeder Tag ein Tag der Freude sein, denn Gott ist bei ihm. Heute scheint Gott aber verschwunden und nicht mehr zu erreichen sein; dieses Gefühl nennt man Angst. Die Angst ist ein bedrückendes Gefühl, das im Menschen entsteht, wenn plötzlich der Boden unter den Füßen zu wanken droht.

Die tiefste Form der Angst ist die Angst von dem Tod, die Angst vor der Unwissenheit, was mit uns werden soll. Am Karfreitag verweilt die Kirche in Stille nach dem Geschehen auf dem Berg Golgatha. Eine Stille, die sich besonders ausdrückt durch das Schweigen der Glocken, durch das Nichtfeiern der Eucharistie. Im Menschen taucht die Frage auf: Wo ist der Herr? Hat der Tod das letzte Wort gehabt?

In der ostkirchlichen Ikonographie wird das Ostergeschehen durch verschiedene Gemälde dargestellt. Die Darstellung des Karsamstags zeigt den in das Totenreich hinabsteigenden Jesus, der mit ausgestreckter Hand die Menschen aus der Macht jenes Ortes befreit. Das ist das Werk Jesu: Dem Totenreich die Macht zu nehmen und dem Menschen erneut die Freundschaft mit Gott anzubieten, wie in den Tagen des Paradieses; es liegt an unserer Freiheit, diese Hand ergreifen zu wollen oder sie abzulehnen.

Der Karsamstag lädt uns insofern ein, darüber nachzudenken, wie stark unsere Freundschaft mit Gott ist, welche persönliche Erfahrung wir mit ihm haben und in welchen Momenten wir ihn so nah gehabt haben, dass plötzlich alle Ängste weg waren. Dieses tiefe Nachdenken bereitet uns auf den Jubelausbruch des Ostersonntags vor, wenn wir erkennen werden, dass die Gräber unseres Leidens, unserer Unzufriedenheit, unserer Angst, leer sind und nun von Christi Licht erleuchten. Dann gibt es keinen Platz mehr für den Tod, sondern nur für die Auferstehung.

Als Meditation über diese Gedanken möchte ich einladen, die Stelle aus dem Römerbrief des hl. Apostels Paulus zu lesen.

Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. (Röm 8, 38-39.)

Francesco Tabacco, Praktikant in Neuss-Mitte


Quelle: Sailko, CC BY-SA 3.0




Impuls vom 08.04.2020:

 

Text zum nachlesen

„Le chemin de la croix“ – der Kreuzweg

Mit diesen Worten ist eine großartige Orgelkomposition des französischen Komponisten Marcel Dupré überschrieben. Inspiriert durch eine Lesung der sprachlich sehr dichten Meditation über die vierzehn Stationen des Leidens Jesu Christi ist dieses musikalisch anspruchsvolle Werk entstanden.

Der ebenfalls aus Frankreich stammende Dichter Paul Claudel (1868-1955) hatte sie in den Jahren 1911-1913, genau dreizehn Jahre nach seiner Rückkehr aus China, wie ein Gebet verfasst. Zwanzig Jahre später wurde Marcel Dupré eingeladen, zu diesen poetischen Worten auf der Orgel zu improvisieren. Wiederum kurze Zeit später schrieb er diese ursprünglich frei fantasierte Musik nieder.

Die Kreuzwegstationen sind eine Betrachtung des Menschen, der sein Kreuz im gewöhnlichen Lebensalltag trägt. Claudels betende Vermittlung wird von Marcel Dupré vertont.

Hören Sie einen Ausschnitt, die X. Station „Jesus wird seiner Kleider beraubt“, den unser Seelsorgebereichsmusiker Peter Höngesberg an der Klais-Orgel der Neusser Kirche St. Marien für uns eingespielt hat.

Der heilige Papst Johannes Paul II. hat sich von der Meditation des Paul Claudel für den Kreuzweg am Karfreitag im Kolosseum in Rom während des Jubiläumsjahres 2000 anregen lassen.

Der Meditationstext zur X. Station des Kreuzweges ist im Folgenden in deutscher Übersetzung abgedruckt.

Jesus wird seiner Kleider beraubt
und mit Essig und Galle getränkt

„Als er davon gekostet hatte, wollte er nicht trinken“ (Mt 27,34).

Er wollte keine Betäubungsmittel, die ihm während des Todeskampfes das Bewusstsein trüben sollten. Er wollte seinen Todeskampf am Kreuz bewusst durchstehen und so den Auftrag erfüllen, den er vom Vater erhalten hatte.

Das stand im Gegensatz zu den Methoden, die von den mit der Hinrichtung beauftragten Soldaten gewöhnlich angewandt wurden. Während sie den Verurteilten an das Kreuz nageln mussten, versuchten sie, sein Empfindungsvermögen und sein Bewusstsein zu betäuben. Im Falle Christi konnte das nicht aufgehen. Jesus weiß, dass sein Kreuzestod ein Sühneopfer sein soll. Deshalb will er bis zum Ende bei wachem Bewusstsein bleiben. Ohne Bewusstsein könnte er nicht in völliger Freiheit das volle Ausmaß des Leidens annehmen.

Er muss das Kreuz besteigen, um das Opfer des Neuen Bundes darzubringen.

Er ist Priester. Er muss durch sein eigenes Blut in die ewige Heimstatt eintreten, nachdem er die Erlösung der Welt bewirkt hat (vgl. Hebr 9,12).

Bewusstsein und Freiheit: das sind die unabdingbaren Attribute eines Handelns, das im vollen Sinn menschlich ist. Die Welt kennt viele Mittel, um den Willen zu schwächen und das Bewusstsein einzuschränken. Das Bewusstsein und die Freiheit müssen gegen alle Formen der Gewalt verteidigt werden. Selbst das berechtigte Bemühen, den Schmerz zu lindern, muss immer in der Achtung vor der menschlichen Würde erfolgen.

Man muss das Opfer Christi in seiner ganzen Tiefe begreifen, es gilt, sich ihm anzuschließen, um nicht nachzugeben, um nicht zuzulassen, dass das Leben und der Tod ihren Wert verlieren.

GEBET

Herr Jesus Christus,
du hast dich ganz hingegeben
und den Kreuzestod
um unserer Rettung willen angenommen.
Lass uns und alle Menschen der Welt
teilhaben an deinem Opfer am Kreuz,
damit unser Leben und Handeln
die Gestalt einer freien und bewussten Teilnahme
an deinem Heilswerk annehmen.
Dir, o Jesus, dem Priester und Opfer,
sei Ehre und Lob in Ewigkeit.
Amen
.

Pfarrer Elmar Kirchner
Orgel Kantor Peter Höngesberg


Impuls vom 07.04.2020:

Judas: Verräter oder Werkzeug Gottes?

In der Heiligen Woche begegnet uns auch Judas, einer der zwölf Apostel, von dem Jesus im Johannesevangelium nach der Fußwaschung sagt: „Einer von euch wird mich ausliefern“ [in der alten Einheitsübersetzung: „verraten“]. (Joh 13,21)

So ermöglicht Judas die Auslieferung Jesu an den Hohen Rat und die Römer. Die Evangelien zeichnen kein einheitliches Bild von Judas, im Gegenteil: in 22 Textstellen, in denen Judas vorkommt, gibt es verschiedene Widersprüche. Nach dem Johannesevangelium war Judas gierig, veruntreute Geld aus der Apostelkasse (Joh 12,4-6) und verriet Jesus für Geld. Bei Markus zeigt sich Judas als Überläufer zu den Hohenpriestern (Mk 14,10 f.). Bei Lukas (Lk 22,3) und bei Johannes (Joh 13,27) ergreift der Satan Besitz von Jesus. Matthäus sieht Judas als reuigen Sünder (Mt 27,3).

Wer also der historische Judas wirklich war, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Es gilt als sicher, dass er aus Judäa stammt und fast bis zuletzt im Kreis der Apostel bei Jesus war. Alle Evangelien sehen Judas auch als Werkzeug Gottes, da es zum Plan der göttlichen Erlösung gehört, dass Judas Jesus ausliefert (Mk 14,20 f.; Joh 17,12).

Ist für den frühchristlichen Theologen Origines Judas ein Heiliger, weil er die Erlösung der Menschen durch den Tod Jesu mit ermöglichte, verstärkt Irenäus das negative Image des Judas als eines für die Ewigkeit verworfenen Verräters.

Im Mittelalter vertiefen sich die negativen Erzählungen und Aspekte rund um Judas.

Seit der Aufklärung gibt es wohlwollendere Deutungen bis hin zu dem Pfarrer und Dichter Kurt Marti, der im 20. Jahrhundert in der Judasgestalt die vielen Sünden der Christen als ein ständiger Verrat an Christus gespiegelt sieht.

Eine versöhnliche Darstellung (s. angehängtes Bild) findet sich in der romanischen Kirche von Vezelay in Frankreich, die Jesus als den guten Hirten zeigt, der den toten Judas auf den Schultern trägt. So kann Judas tatsächlich nicht nur als Verräter gesehen werden, sondern auch als Mensch, dem Jesus Christus sein Erbarmen schenkt, solange er seinen Verrat bereut.

In dieser Ambivalenz des Judas (feststehend im Glauben an Jesus und Verrat des Glaubens an Jesus) finden auch wir Christen uns immer wieder vor und dürfen auf die tiefe Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi hoffen, wenn wir in dieser Karwoche wieder auf Karfreitag und dann auf Ostern zugehen.

Ihr Pfr. Dalhaus

Rechts im Bild findet sich die beschriebene Darstellung

Foto: kristobalite, Basilique Sainte-Marie-Madeleine à Vézelay, CC BY-NC-ND 2.0

 


Impuls vom 06.04.2020:

Erste Lesung  Jes 42, 5a.1-7

5a So spricht Gott, der Herr:
1 Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Völkern das Recht.
2 Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.
4 Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf sein Gesetz warten die Inseln.
5 So spricht Gott, der Herr, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der den Menschen auf der Erde den Atem verleiht und allen, die auf ihr leben, den Geist:
6 Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt, der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
7 blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.

 

Evangelium Joh 12, 1-11

1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.
2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente, und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.
3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
4 Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte:
5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?
6 Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.
7 Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue.
8 Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch.
9 Viele Juden hatten erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
10 Die Hohenpriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten,
11 weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

 

Gesamte Tagesliturgie vom 6. April



Impuls vom 04.04.2020:

Seit dieser Woche durchsuche ich täglich meine Plattensammlung auf der Suche nach dem richtigen, passenden Track für das Format #aufdemteller , Schwerpunkt deutscher Hiphop. Denn ich stelle fest, dass die Texte unglaublich viel hergeben. Voraussetzung: Bereitschaft zum Zuhören, Zulassen und…Zuschauen: Ich lege die Platte auf, spiele sie ab und spreche meine Gedanken dazu – inspiriert von meinem Glauben, der Ist-Situation und den Worten der jeweiligen Künstler*innen. Die 6-7 Minuten werden gefilmt und um 23 Uhr wird das Ganze online gestellt.

Für den Tagesimpuls heute soll Chefket mit seinem Song „Wo du stehst“ zu Klang und Wort kommen.

Vergangene und zukünftige Musikimpulse sind unter dasein.durchkreuzt.org zu finden.

Thomas Burgmer

Quelle: dasein.durchkreuzt.org 


Impuls vom 03.04.2020:

Gerne möchte ich Sie mit den kirchlich anerkannten Erscheinungen der „Frau und Mutter aller Völker“ bekannt machen, deren Botschaften in der jetzigen Krisenzeit für Welt und Kirche aktueller und trostreicher denn je sind.

Ob gläubig, andersgläubig oder ungläubig, gebildet oder ganz einfach, jeder soll sie als seine persönliche Mutter kennen- und liebenlernen: „Wer oder was ihr auch seid, ich darf für euch die Mutter, die Frau aller Völker sein.“ (31.05.1954) In prophetischen Schauungen zeigte sie eindrücklich die Situation in unserer Zeit und warnte vor Glaubensverfall und moralischem Verfall, vor Unheil und Krieg.

Die Gottesmutter diktierte der Seherin am Fest U.L.F. von Lourdes, dem 11. Februar 1951 in Deutschland ihr Gebet:

Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters,
sende jetzt Deinen Geist über die Erde.
Lass den Heiligen Geist wohnen
in den Herzen aller Völker,
damit sie bewahrt bleiben mögen
vor Verfall, Unheil und Krieg.
Möge die Frau aller Völker,
die einst Maria war,
unsere Fürsprecherin sein.

Amen.

Und die Frau aller Völker fuhr in ihrer Botschaft fort: „Kind, dieses Gebet ist so einfach und kurz, dass es jeder in seiner eigenen Sprache, vor seinem eigenen Kreuz beten kann. Und jene, die kein Kreuz haben, beten es für sich selbst.“

Sie ist vom Vater und vom Sohn gesandt, um der Welt Einheit und Frieden zu bringen und „um unter diesem Titel und durch dieses Gebet die Welt von einer großen Weltkatastrophe befreien zu dürfen.“ (10.05.1953)

„Bittet sie, alle Katastrophen abzuwenden! Bittet sie, den Verfall aus dieser Welt zu verbannen! Aus dem Verfall entsteht Unheil. Aus dem Verfall entstehen Kriege. Ihr sollt durch mein Gebet bitten, dies alles von der Welt abzuwenden! Ihr wisst nicht, wie mächtig und wie bedeutsam dieses Gebet bei Gott ist.“ (31.05.1955)

Gottes Segen,
P. Gregory White



Quelle: YouTube | AveVerum
www.de-vrouwe.info
Mehr Information im Kloster erhältlich.


Impuls vom 02.04.2020:

In bangen Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

in einem Gedichtband entdeckte ich vor einigen Tagen einen Text des deutschen Dichters Novalis (Pseudonym für Friedrich Leopold Freiherr v. Hardenberg, 1772-1801). Dieser Text ist das zehnte Gedicht in der Reihe der „Geistlichen Lieder“. Heute möchte ich Ihnen und Euch diese Verse als Tagesimpuls mit auf den Weg geben. Mich bewegt dieser Text. Ich finde mich in ihm wieder mit meinen Sorgen und Ängsten angesichts der Corona-Pandemie. Er gibt mir aber auch Trost und Kraft. Wie ergeht es Euch und Ihnen beim Lesen der folgenden Zeilen?

Es gibt so bange Zeiten,
Es gibt so trüben Mut,
Wo alles sich von weiten
Gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
So ängstlich leise her,
Und tiefe Nächte decken
Die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
Kein Halt der Zuversicht;
Der Wirbel der Gedanken
Gehorcht dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
Unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
Und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
Zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
Und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
Gib stiller Sehnsucht Raum,
Aus ihm geht eine Flamme
Und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
Gerettet auf den Strand,
Du schaust voll Freuden nieder
In das gelobte Land.

(in: Herz tröste dich. Poesie für jeden Tag, Freiburg i.Br.²1984, S. 439f.)

 

Gott segne Sie und Euch in diesen „bangen Zeiten“ durch die flammende Kraft der Liebe des Kreuzes Jesu Christi!

Seine Engel mögen uns alle begleiten und beschützen!

Ihr/Euer Diakon
Michael Thiele


Impuls vom 01.04.2020:

 

Text zum nachlesen

Das Wort Corona dürfte in dieser Zeit das am meisten gebrauchte Wort überhaupt sein. Wie ein Gespenst geistert das Virus durch unsere Köpfe und die Medien. Er beherrscht viele unserer Gespräche. Seine übermächtige Präsenz verhindert oft positive Gedanken. Sie lähmt unser Tun.

Wenn wir die Blickrichtung und den Kontext ein kleinwenig ändern, können wir daraus Kraft schöpfen: Heilige Corona, bitte für! Tritt bei Gott für uns ein, damit ER uns hilft, diese Krisenzeiten zu überwinden.

„Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten“ (Dan 3, 17) – lesen wir heute im Buch Daniel.

Wie sollen wir IHN verehren, in Zeiten, in denen die Kirchen menschenleer sind? In denen alle öffentlichen Heiligen Messen und liturgischen Feiern abgesagt sind, die uns einen Rahmen bieten, in dem wir unsere Beziehung zu Gott pflegen könnten?

  1. Der Sohn es Höchsten kam auf unsre Erde
    uns zu erretten aus der Macht des Bösen.
    Er ruft die Menschen in das Reich des Vaters.
  2. Hört seine Stimme, ändert euer Leben;
    suchet das Gute und lasst ab vom Bösen;
    als Gottes Kinder wirket seinen Frieden.

Wie sollen wir heute, gerade heute, als Gottes Kinder leben? Eine gute Möglichkeit ist es, sich eine bestimmte Zeit am Tag für Gott zu reservieren. Warum nicht die Hl. Messe im Internet mitfeiern? Vielleicht die Bibel zur Hand nehmen und jeden Tag einen kleinen Abschnitt lesen? Oder haben Sie einen Psalm oder ein Lied im Gotteslob, das Sie besonders gerne singen?

Wer seinen Blick auf das Gute fokussiert, das uns von Gott geschenkt ist, gerät nicht so schnell in Verzweiflung. „Selig, die das Wort (Gottes) mit aufrichtigem Herzen hören und Frucht bringen in Geduld.“ (Kommunionvers)

„In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8, 31 – 32

  1. Ihr seid gefunden wie verlorne Schafe
    und in der Taufe seid ihr neu geboren.
    Die Kraft des Geistes macht euch stark im Glauben.

 Die Wahrheit liegt nicht in Zahlen und Statistiken, sie engen ein und machen Angst. Jesus selbst ist die Wahrheit. ER bringt Kunde von seinem Vater: „Fürchte Dich nicht!“ Du bist ein Kind Gottes, wenn Du Gott „aufnimmst“ (Joh 1, 12), wenn es Dir gelingt, Dein Leben in seine Hände zu legen. Darin liegt die Freiheit, die Jesus uns heute verspricht: Lerne der Liebe Gottes zu vertrauen und Du wirst frei werden.

Je mehr wir uns mit dieser Wahrheit auseinandersetzen, umso größer wird unsere Freiheit. Je tiefer wir in das Wort Gottes eindringen, umso mehr wächst das Vertrauen auf IHN, der uns sein Heil verheißen hat: Gott, unsern Vater. Dann können wir wirklich als Gottes Kinder leben.

  1. Als Jesu Jünger seid ihr nun gesendet.
    Geht hin zu allen, kündet seine Botschaft;
    bringt neue Hoffnung auf die ganze Erde.
  2. Tut Gutes allen, helft den Unterdrückten
    und stiftet Frieden: Liebet euren Nächsten.
    Dies ist ein Fasten in den Augen Gottes.

 

GA Caja Steffen

Gesang: Gerda Kieser, Christina Schnoklake
Orgel: Peter Höngesberg


Impuls vom 31.03.2020:

Die heutige Tages-Lesung aus dem 4. Buch Mose vermittelt uns einen Einblick in den Gemütszustand des Volkes Israel während seines langen Wüstenzuges aus der Knechtschaft Ägyptens:

„Unterwegs verlor das Volk den Mut, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig…“ (Numeri 21, 4-9)

Wüstenzeiten sind für Israel entscheidende Krisenzeiten:  Zeiten, in denen alle miteinander auf dem Prüfstand stehen und schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten; zunehmend verliert das Volk die Geduld; schon bald gerät auch sein Gottvertrauen ins Wanken; am Ende lehnen sich viele murrend gegen Gott und gegeneinander auf.
Wer von uns könnte in den Not- und Krisenzeiten, in die wir selbst in der Corona-Pandemie jetzt mit der halben Welt geraten sind, das nicht nachvollziehen? Wie stabil sind wir mit unserer Gesellschaft, die wir im Wohlstand heimisch sind und Entbehrungen fast nur vom Hörensagen kennen? Wüstenzeiten wurden für Israel aber auch zu Zeiten der Umkehr, zu besonderen Gnadenzeiten, in denen es Gottes liebende Fürsorge neu erfahren durfte, wovon der Prophet Hosea Zeugnis gibt:

„Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten…Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie, mit Banden der Liebe. Ich war da für sie da wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen…“ (Hosea 11, 1 ff)

Ich las ein Bekenntnis von Pastor D. Bonhoeffer (+ 1945), der im NS-Gefängnis zu der Überzeugung fand:

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“   

Beten wir jetzt mit allen in den Krisen unseres Lebens zu Gott den Psalm vom Guten Hirten:

„Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil;
Denn du bist bei mir!“ (Psalm 23) 

 

Ihr H.J. Schmitz, Pfarrer i.R.


Impuls vom 30.03.2020:

„Not lehrt Beten“, sagt ein alter Spruch, den ich oft von meinen Großeltern gehört habe.

„Jetzt hilft nur noch Beten“
heißt es auch oft, wenn alles Menschenmögliche getan wurde.

Das erleben wir grade auch jetzt in der Corona-Krise.

Beten ist das typische Merkmal einer Religion,
und auch für das Christentum ist das Beten ein wesentliches Merkmal.
Die Schriften des Neuen Testamentes berichten uns, dass Jesus sich öfters an einen einsamen Ort zurückgezogen hat, um dort zu beten, und er hat auch seine Jünger das Beten gelehrt.
Ein Gebet kann aber nur gesprochen werden, wenn eine Beziehung zu Gott vorhanden ist, gleich wie sie aussieht, positiv oder negativ.

Als Christen beten zu unserem dreifaltigen Gott  und bringen unsere Anliegen in Form von Für-Bitten, für uns selbst und für andere (nicht nur für Menschen, die uns nahestehen, sondern auch für alle Bedürftigen) vor Gott.

Was heißt das in der heutigen Situation? Was bewirkt unser Gebet?
Können wir durch unser Für-Bittgebet den Lauf der Pandemie, den Lauf der Geschichte beeinflussen?

Es gibt Menschen, die die Erfahrung gemacht haben:      Beten hilft.
Die vielen Wallfahrtsorte, die es auf der Welt gibt, sind jedenfalls ein Zeugnis dafür, dass Menschen in ihrer Not durch das Gebet Hilfe erfahren haben.
Auch wenn viele Bitten, die wir aussprechen, nicht sofort oder nicht erfüllt werden, hat das Für-Bittgebet, das Gebet für andere, eine „Wirkung“,  wenn es bewusst überlegt und gesprochen wird.
Es kann unser Verhältnis zum Nächsten ändern.

Wenn manche Gebete nicht erhört werden, könnte es nicht auch daran liegen, dass wir Gott bitten etwas zu tun, was wir selber tun könnten, hier auch mit Blick auf die Flüchtlinge nicht nur in Griechenland. So fragte z. B. der österreichische Bundespräsident a. D. Heinz Fischer: „Was werden wir unseren Kindern und Enkelkindern antworten, wenn wir eines Tages gefragt werden, warum wir damals im März 2020 so lange zugeschaut haben – wissend, wie es zwei Flugstunden von Wien entfernt zugeht?“

 Beten und Bitten wir für die Menschen, die in Not sind, die krank sind, die Angst haben oder einsam sind, aber auch für uns, das wir Jesu Wort beherzigen:
„Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!

Helfen wir uns gegenseitig so gut wir können und bringen wir unsere Anliegen vor Gott in dem Vertrauen auf das Wort Jesu Christi:  „Bittet, dann wird euch gegeben“.

Hermann-Josef Lorenzen,  Diakon



Impuls vom 28.03.2020:

Unter dem Schutz der Gottesmutter

Die Marienwallfahrtsorte Kevelaer, Fatima oder Lourdes haben in diesen Tagen für Pilger geschlossen! Das schockiert viele Katholiken. Maria aber kennt keinen Ladenschluss oder Dienstende. Als Schutzpatronin Europas, als „Mutter aller Völker“, ist sie aktuell rund um die Uhr -ähnlich den vielen wichtigen Helfern im Medizin- oder Versorgungsbereich- im ausdauernden Dauereinsatz! Egal wie alt ein Mensch ist, in Maria hat jeder von uns für immer seine Mutter im Himmel, deren bergender Schoß für uns Zuflucht und Ruheplatz ist. Viele Pieta-Darstellungen in Kirchen bezeugen dies und sollten uns dazu einladen, mit einem „Gegrüßet-seist-du-Maria“ den Schutz und die fürbittende Hilfe der Gottesmutter zu suchen.

Maria war im täglichen Gebet so sehr mit Gott verbunden, dass sie in der Verkündigungsszene der Geburt Christi zwar über die Anrede des Engels erschrickt, nicht aber überhaupt über das Erscheinen des Engels Gabriel in ihrem Heim. Für sie scheint es nicht ungewohnt zu sein, Gott in ihrem Alltag zu erleben. Diese enge Verbindung zu Gott wurde für jeden von uns fruchtbar: „Und das Wort ist Fleisch geworden!“, berichtet das Johannesevangelium. Da, wo Gott ist, ist Leben! Das sollten wir weder in der aktuellen Pandemie vergessen, noch wenn wir als Christen auf das Wunder der Jungfrauengeburt  angesprochen werden.

Maria ist nach wie vor in Deutschland der meistgewählte Mädchentaufname. Die Hinwendung zu Maria als Fürsprecherin bei Gott ist nicht aus der Zeit gefallen. In diesen Tagen gehen manche abends den Rosenkranz betend um ihr Wohnviertel (Block Prayer) oder geben mit dem „Engel des Herrn“ (Gotteslob 3,6 ) ihrem Tag Struktur, wie es früher selbstverständlich war. Jeder Samstag ist der Gottesmutter gewidmet. „Samstags muss ich immer die Woche retten!“, sagte mir einmal ein Bekannter. Er meinte damit die in der Arbeitswoche liegen gebliebenen Besorgungen. Nehmen wir samstags die Gelegenheit wahr, mit Maria die Woche geistig gut zu beschließen und daraus in der Nächsten- und Gottesliebe selbst fruchtbar zu werden.

Gottes sei mit Ihnen und segne den heutigen Tag!

Dein/Euer/Ihr Diakon Georg Langer

Marpingen Maria Himmelfahrt Innen Schutzmantelmadonna
Quelle: atreyu, CC BY-SA 3.0


Lied: Segne du Maria GL 535; geschrieben 1916 in der Notzeit des ersten Weltkrieges
Quelle: YouTube | katholisch.de


Impuls vom 27.03.2020:

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele fühlen sich in diesen Tagen gefangen und eingesperrt. Aber mehr noch als die häusliche Enge und die sorgsam zu wahrende Distanz zum Mitmenschen fesselt und beschränkt sie eine tiefsitzende und vielgesichtige Angst:

Die Angst vor Ansteckung, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und des materiellen Auskommens, die Angst vor dem Verlust geliebter Menschen, die Angst vor dem eigenen Tod. Für sich genommen ist die Angst nicht etwas grundsätzlich Schlechtes. Sie treibt uns an, alles Notwendige zu tun, um Gefahren für sich und andere abzuwehren.

Die negative Seite der Angst aber zeigt sich darin, sich von ihr buchstäblich lähmen, sich auf den Erhalt des eigenen Lebens fixieren zu lassen, eben nur noch sich selber zu leben, um so am Ende nur verzweifelnd den eigenen Tod vor Augen zu haben.

Im Psalm 124 heißt es:

„Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt * – so soll Israel sagen -,
hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, * als sich gegen uns Menschen erhoben,
dann hätten sie uns lebendig verschlungen, * als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.
Dann hätten die Wasser uns weggespült, * hätte sich über uns ein Wildbach ergossen.
Dann hätten sich die Wasser ergossen, * die wilden und wogenden Wasser.

Gelobt sei der Herr, * der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ
Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen, *
das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, * der Himmel und Erde gemacht hat.“

 

Lasset uns beten:

„Herr Jesus Christus, ganz ohne unser Verdienst,
nur weil Du mit der Macht Deiner göttlichen Liebe  das Netz des Todes zerrissen hast, in dem wir gefangen waren, sind wir Entkommene und Gerettete.
Denn in unserer Taufe hast Du uns Anteil gegeben an Deinem Sieg über den Tod dieser Welt.
Gewiss sind seine Netze noch in vielfältiger Weise in dieser Welt aufgestellt.
Aber niemand, der auf Dich vertraut, wird sich in ihnen rettungslos verfangen.
Denn Du hast uns zur Liebe befreit, in der allein das Leben in Fülle ist in Zeit und Ewigkeit.

Herr, wir glauben an Dich, hilf unserem Unglauben, damit wir frei bleiben von der lähmenden Angst, frei für Dich und Deine Liebe zum Vater und allen Menschen,
der Du in der Einheit mit dem Hl. Geist und dem Vater im Himmel lebst und liebst in Ewigkeit. Amen.“

 

Ihr Msgr. W. Korfmacher.


Impuls vom 26.03.2020:

 

Text zum nachlesen

Wohl niemand von uns hätte sich das vor einigen Wochen überhaupt vorstellen können: bundesweit und auch in unseren Nachbarländern müssen alle öffentlichen Gottesdienste ausfallen. Das gemeinschaftliche religiöse Leben ist vollkommen eingeschränkt. So etwas hat es in der Geschichte des Christentums noch nie gegeben.

Und auch das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben ist inzwischen auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Alten- und Krankenpflege, Rettungsdienste und die ärztliche Versorgung der Bevölkerung stehen vor ungeahnten und sehr großen Herausforderungen. Die weitreichenden Folgen aus all dem kann zurzeit noch niemand abschätzen.

Da stellt sich die Frage, wie wir diese bedrängende und für viele Menschen höchst belastende Situation überhaupt bestehen können. Was kann uns Halt geben und Mut machen in dieser Bedrängnis?

Mir fallen die Worte von Psalm 31 ein, der in der neuen Einheitsübersetzung von 2016 überschrieben ist mit: „Gott, die sichere Zuflucht“.
In den Versen 14 und 15 heißt es dort: „Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut, ich habe gesagt: Mein Gott bist du. Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Bei all dem, was uns in diesen Tagen abverlangt wird, was viele infizierte Menschen und ihre Angehörigen an Ängsten und Verzweiflung durchmachen müssen, können wir – wie der alttestamentliche Beter – unsere Zuflucht in Gott finden. Als menschliche Wesen haben wir einfach nicht alles selbst in der Hand. Das wird uns in diesen Tagen brutal vor Augen geführt. – Unsere Zeit, ja unser ganzes Leben, steht in Gottes Händen. Vielleicht können auch wir, trotz aller Bedrängnis und Not, Vertrauen auf ihn wagen.

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

Pfarrer Elmar Kirchner
Orgel Kantor Peter Höngesberg


Impuls vom 25.03.2020:

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

So können wir am heutigen Tag, dem Fest der Verkündigung des Herrn fragen. Denn am 25. März, genau neun Monate vor Weihnachten, hören wir im Evangelium, wie der Engel Gabriel von Gott zu Maria nach Nazareth gesandt wird. Er soll ihr ausrichten, dass sie von Gott auserwählt ist, die Mutter des Messias, des Gottessohnes, Jesus Christus, zu werden. So wird die Gottesmutterschaft das zentrale Geheimnis im Leben Marias und hängt damit eng mit Weihnachten zusammen.

Jeden Tag hören wir dieses Evangelium sozusagen akustisch, wenn uns eine Kirchenglocke morgens, mittags und abends zum Angelus, zum „Engel des Herrn“ ruft. Denn das Gebet „Engel des Herrn“ ist die Kurzfassung des heutigen Evangeliums (Lk 1,26-38). Es erinnert uns an die einmalige Berufung Marias zur Mutter des Gottessohnes. Die Initiative geht von Gott aus („Der Engel des Herrn brachte Maria die frohe Botschaft“), und Maria antwortet mit ihrem Ja.

Gott kommt auch auf uns immer wieder zu und spricht uns an, nicht nur durch einen Engel wie bei Maria: etwa durch Zeichen, Anstöße und Impulse. Gott spricht auch durch die Not in dieser schwierigen Zeit, durch einen leisen Gedanken, durch den freundlichen oder bittenden Blick eines Menschen.

In diesen Tagen gibt es viele Menschen, die auf andere in ganz besonderer Weise achten und sie unterstützen. Viele tun dies aus der Kraft des Glaubens heraus, weil sie spüren, dass es gerade jetzt wichtig ist, die Gaben, die Gott ihnen geschenkt hat, für Menschen einzusetzen, die die Hilfe besonders gut gebrauchen können.

Die Zusage des Engels an Maria („Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir!“) kann uns gerade jetzt eine Stütze und ein Halt, aber auch ein Ansporn sein, durch unser Ja zu Gott eine Antwort zu geben auf den Anruf Gottes an jeden von uns.

Pfr. Guido Dalhaus


Impuls vom 24.03.2020:

Seit ungefähr 2010 höre und schätze ich die Musik der Antilopen Gang – gute Beats, intelligente, hintergründige und politische Texte. Eine Rapgruppe, deren Einzelkünstler (Koljah, Panik Panzer und Danger Dan) immer wieder Soloprojekte starten. Aktuell ist Danger Dan mit seinem Song „Nudeln und Klopapier“ auf sämtlichen Streamingportalen und bei Youtube präsent.

Das Interessante ist, dass dieser Song entstand, als der Musiker freiwillig einer Empfehlung des Bundesgesundheitsminister folgte: alle Einreisende aus der Schweiz sollten sich freiwillig 14 Tage in Quarantäne begeben; Grund war die Rückkehr der Band von einem Konzert in Bern.

„Nudeln und Klopapier“ ist die lyrische und musikalische Betrachtung eines aktuell viel gesehen und kommentierten Phänomens.

Die Essenz des Songs steckt für mich im Refrain: „Und jedes Blatt Klopapier auf dieser Welt (…) würde ich geben für ein Ende der Quarantäne und für einen Frühlingsspaziergang mit dir durch den Berliner Zoo.“

Wo zur Zeit alles eingeschränkt ist, die eigenen Gewohnheiten und Alltagsabläufe sich ändern, stellt sich mir die tatsächlich die Frage nach Wertigkeiten und Wichtigkeiten für Dinge. Wenn ich Vieles umwerfen und anders Denken und Handeln muss – was ist die Konstante? Was ist mein Werteleuchtturm?

Tief in mir verwurzelt sind die Worte und Taten von Jesus Christus, u. a. auch folgende Frage Jesu an den um Hilfe rufenden Bartimäus: „Was willst du, dass ich dir tue?“, also gewissermaßen eine Servicefrage – bekannt aus Telefonhotlines: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Als Christ stelle ich die jesuanische Frage bewusst und ehrlich und ohne Oberflächlichkeit dem Menschen, der mir begegnet (im Moment eher virtuell und telefonisch). Nicht unbedingt immer als laut geäußerte oder ausgeschriebene Frage, sondern als achtsames Hinhören und Hinschauen. Und dann heisst es, dementsprechend zu Handeln. Jesus Christus fordert heraus: Der Weg des christlichen Handelns ist nicht breit und bequem, sondern schmal und steinig. Das braucht Kraft, Durchhaltevermögen, Geduld und Empathie. Im Gebet spricht Gott mir zu, diese Dinge abrufen zu können und zu dürfen (!).

Auch wenn dann die Antwort lauten sollte, dass Klopapier und Nudeln gebraucht werden.

Pastoralreferent Thomas Burgmer



Quelle: YouTube | Antilopen Gang


Impuls vom 23.03.2020:

Liebe Schwestern und Brüder,

die Tageslesungen dieser Woche wollen uns die Gründe der christlichen Freude beleuchten und somit die selbe Freude in den oft grauen und mühsamen Alltag bringen. Das ist das Echo des Freudensonntags (Dominica Laetare), den wir gestern gefeiert haben, und in der gegenwärtigen Situation gibt es wenige Dinge, die wir mehr brauchen als hoffnungsvolle Freude. Die heutige erste Lesung (Jes 65,17-21) legt es uns nahe, dass diese Freude aus der Annahme einer besonderen Perspektive kommt – aus der Annahme der Perspektive Gottes, der wir Glauben schenken sollen: Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde! Diese Worte haben die Kraft, uns neue Augen für die laufende Lage zu schenken: Wir dürfen in ihr eine Erinnerung sehen, dass diese Welt vergeht, aber auch dass uns eine wunderbare Zukunft erwartet. Dies wird dadurch bekräftigt, dass Gott die völlige Beseitigung der exemplarisch schlimmsten Dinge dieser Welt verspricht – des Sterbens der Kinder und jeder Art vorzeitigen Todes. Gott weiß, dass wir leiden und dass wir Angst haben. Dass wir mit dem Tod konfrontiert sind, wie der königliche Beamte aus dem Tagesevangelium. Um seine Verheißung und seine Perspektive zu bestätigen, hat Gott uns eine Person geschickt. Vielleicht haben wir, gleich wie der Beamte, von seinen Wundern gehört. Es spricht sich rum, dass er wieder in der Gegend ist. Für die Fastenzeit gilt nämlich: Jetzt ist sie da – die Zeit der Gnade, jetzt ist er da – der Tag des Heiles (vgl. 2Kor 6,2). Sind wir betrübt, beängstigt, in jederlei Not? – suchen wir diesen Jesus, wie der Beamte! Haben wir ihn gefunden? – Bitten wir ihn um Rettung aus unserer Not! Hat er uns was geantwortet? – schenken wir ihm Glauben und tun wir was er sagt! Der Glaube macht die beschriebene Perspektive Gottes präsent: Geh, dein Sohn lebt! Für dich und für mich heute: Hab keine Angst, auf dich wartet Leben! Diese Perspektive brauchen wir, um in der Gegenwart freudig und mutig zu handeln.

Ihr Kaplan Hrvoje Bušić