Tagesimpulse

In den nächsten Wochen bleiben unsere Pfarrkirchen tagsüber zwar geöffnet, aber leider finden Gottesdienste nicht öffentlich statt. Als kleinen Ausgleich dafür, wollen wir als Pastoralteam an dieser Stelle nun täglich kleine geistliche Gedanken und Impulse zum Tag veröffentlichen. Mal als Text, mal als Video und manchmal mit Musik. Zusätzlich laden wir täglich um 19:30 Uhr dazu ein sich mit uns zusammenzuschließen und gemeinsam zu beten. Währenddessen werden auch unsere Kirchenglocken unserer vier Pfarrkirchen läuten. Wir Priester feiern, stellvertretend für uns alle, täglich die Heilige Messe. Gerne nehmen wir Ihren Fürbitten in unsere Messfeiern mit hinein. Schreiben Sie uns einfach eine E-mail an gebet@neuss-mitte.de. Ebenfalls stehen alle Seelsorger auch für Telefongespräche zur Verfügung. Sie finden die Kontaktdaten auf der Seite des Pastoralteams.

Impuls vom 02.04.2020:

In bangen Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

in einem Gedichtband entdeckte ich vor einigen Tagen einen Text des deutschen Dichters Novalis (Pseudonym für Friedrich Leopold Freiherr v. Hardenberg, 1772-1801). Dieser Text ist das zehnte Gedicht in der Reihe der „Geistlichen Lieder“. Heute möchte ich Ihnen und Euch diese Verse als Tagesimpuls mit auf den Weg geben. Mich bewegt dieser Text. Ich finde mich in ihm wieder mit meinen Sorgen und Ängsten angesichts der Corona-Pandemie. Er gibt mir aber auch Trost und Kraft. Wie ergeht es Euch und Ihnen beim Lesen der folgenden Zeilen?

Es gibt so bange Zeiten,
Es gibt so trüben Mut,
Wo alles sich von weiten
Gespenstisch zeigen tut.

Es schleichen wilde Schrecken
So ängstlich leise her,
Und tiefe Nächte decken
Die Seele zentnerschwer.

Die sichern Stützen schwanken,
Kein Halt der Zuversicht;
Der Wirbel der Gedanken
Gehorcht dem Willen nicht.

Der Wahnsinn naht und locket
Unwiderstehlich hin.
Der Puls des Lebens stocket,
Und stumpf ist jeder Sinn.

Wer hat das Kreuz erhoben
Zum Schutz für jedes Herz?
Wer wohnt im Himmel droben
Und hilft in Angst und Schmerz?

Geh zu dem Wunderstamme,
Gib stiller Sehnsucht Raum,
Aus ihm geht eine Flamme
Und zehrt den schweren Traum.

Ein Engel zieht dich wieder
Gerettet auf den Strand,
Du schaust voll Freuden nieder
In das gelobte Land.

(in: Herz tröste dich. Poesie für jeden Tag, Freiburg i.Br.²1984, S. 439f.)

 

Gott segne Sie und Euch in diesen „bangen Zeiten“ durch die flammende Kraft der Liebe des Kreuzes Jesu Christi!

Seine Engel mögen uns alle begleiten und beschützen!

Ihr/Euer Diakon
Michael Thiele


Impuls vom 01.04.2020:

 

Text zum nachlesen

Das Wort Corona dürfte in dieser Zeit das am meisten gebrauchte Wort überhaupt sein. Wie ein Gespenst geistert das Virus durch unsere Köpfe und die Medien. Er beherrscht viele unserer Gespräche. Seine übermächtige Präsenz verhindert oft positive Gedanken. Sie lähmt unser Tun.

Wenn wir die Blickrichtung und den Kontext ein kleinwenig ändern, können wir daraus Kraft schöpfen: Heilige Corona, bitte für! Tritt bei Gott für uns ein, damit ER uns hilft, diese Krisenzeiten zu überwinden.

„Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten“ (Dan 3, 17) – lesen wir heute im Buch Daniel.

Wie sollen wir IHN verehren, in Zeiten, in denen die Kirchen menschenleer sind? In denen alle öffentlichen Heiligen Messen und liturgischen Feiern abgesagt sind, die uns einen Rahmen bieten, in dem wir unsere Beziehung zu Gott pflegen könnten?

  1. Der Sohn es Höchsten kam auf unsre Erde
    uns zu erretten aus der Macht des Bösen.
    Er ruft die Menschen in das Reich des Vaters.
  2. Hört seine Stimme, ändert euer Leben;
    suchet das Gute und lasst ab vom Bösen;
    als Gottes Kinder wirket seinen Frieden.

Wie sollen wir heute, gerade heute, als Gottes Kinder leben? Eine gute Möglichkeit ist es, sich eine bestimmte Zeit am Tag für Gott zu reservieren. Warum nicht die Hl. Messe im Internet mitfeiern? Vielleicht die Bibel zur Hand nehmen und jeden Tag einen kleinen Abschnitt lesen? Oder haben Sie einen Psalm oder ein Lied im Gotteslob, das Sie besonders gerne singen?

Wer seinen Blick auf das Gute fokussiert, das uns von Gott geschenkt ist, gerät nicht so schnell in Verzweiflung. „Selig, die das Wort (Gottes) mit aufrichtigem Herzen hören und Frucht bringen in Geduld.“ (Kommunionvers)

„In jener Zeit sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8, 31 – 32

  1. Ihr seid gefunden wie verlorne Schafe
    und in der Taufe seid ihr neu geboren.
    Die Kraft des Geistes macht euch stark im Glauben.

 Die Wahrheit liegt nicht in Zahlen und Statistiken, sie engen ein und machen Angst. Jesus selbst ist die Wahrheit. ER bringt Kunde von seinem Vater: „Fürchte Dich nicht!“ Du bist ein Kind Gottes, wenn Du Gott „aufnimmst“ (Joh 1, 12), wenn es Dir gelingt, Dein Leben in seine Hände zu legen. Darin liegt die Freiheit, die Jesus uns heute verspricht: Lerne der Liebe Gottes zu vertrauen und Du wirst frei werden.

Je mehr wir uns mit dieser Wahrheit auseinandersetzen, umso größer wird unsere Freiheit. Je tiefer wir in das Wort Gottes eindringen, umso mehr wächst das Vertrauen auf IHN, der uns sein Heil verheißen hat: Gott, unsern Vater. Dann können wir wirklich als Gottes Kinder leben.

  1. Als Jesu Jünger seid ihr nun gesendet.
    Geht hin zu allen, kündet seine Botschaft;
    bringt neue Hoffnung auf die ganze Erde.
  2. Tut Gutes allen, helft den Unterdrückten
    und stiftet Frieden: Liebet euren Nächsten.
    Dies ist ein Fasten in den Augen Gottes.

 

GA Caja Steffen

Gesang: Gerda Kieser, Christina Schnoklake
Orgel: Peter Höngesberg


Impuls vom 31.03.2020:

Die heutige Tages-Lesung aus dem 4. Buch Mose vermittelt uns einen Einblick in den Gemütszustand des Volkes Israel während seines langen Wüstenzuges aus der Knechtschaft Ägyptens:

„Unterwegs verlor das Volk den Mut, es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt? Etwa damit wir in der Wüste sterben? Es gibt weder Brot noch Wasser. Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig…“ (Numeri 21, 4-9)

Wüstenzeiten sind für Israel entscheidende Krisenzeiten:  Zeiten, in denen alle miteinander auf dem Prüfstand stehen und schnell an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten; zunehmend verliert das Volk die Geduld; schon bald gerät auch sein Gottvertrauen ins Wanken; am Ende lehnen sich viele murrend gegen Gott und gegeneinander auf.
Wer von uns könnte in den Not- und Krisenzeiten, in die wir selbst in der Corona-Pandemie jetzt mit der halben Welt geraten sind, das nicht nachvollziehen? Wie stabil sind wir mit unserer Gesellschaft, die wir im Wohlstand heimisch sind und Entbehrungen fast nur vom Hörensagen kennen? Wüstenzeiten wurden für Israel aber auch zu Zeiten der Umkehr, zu besonderen Gnadenzeiten, in denen es Gottes liebende Fürsorge neu erfahren durfte, wovon der Prophet Hosea Zeugnis gibt:

„Als Israel jung war, gewann ich ihn lieb, ich rief meinen Sohn aus Ägypten…Sie aber haben nicht erkannt, dass ich sie heilen wollte. Mit menschlichen Fesseln zog ich sie, mit Banden der Liebe. Ich war da für sie da wie die, die den Säugling an ihre Wangen heben. Ich neigte mich ihm zu und gab ihm zu essen…“ (Hosea 11, 1 ff)

Ich las ein Bekenntnis von Pastor D. Bonhoeffer (+ 1945), der im NS-Gefängnis zu der Überzeugung fand:

„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.“   

Beten wir jetzt mit allen in den Krisen unseres Lebens zu Gott den Psalm vom Guten Hirten:

„Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil;
Denn du bist bei mir!“ (Psalm 23) 

 

Ihr H.J. Schmitz, Pfarrer i.R.


Impuls vom 30.03.2020:

„Not lehrt Beten“, sagt ein alter Spruch, den ich oft von meinen Großeltern gehört habe.

„Jetzt hilft nur noch Beten“
heißt es auch oft, wenn alles Menschenmögliche getan wurde.

Das erleben wir grade auch jetzt in der Corona-Krise.

Beten ist das typische Merkmal einer Religion,
und auch für das Christentum ist das Beten ein wesentliches Merkmal.
Die Schriften des Neuen Testamentes berichten uns, dass Jesus sich öfters an einen einsamen Ort zurückgezogen hat, um dort zu beten, und er hat auch seine Jünger das Beten gelehrt.
Ein Gebet kann aber nur gesprochen werden, wenn eine Beziehung zu Gott vorhanden ist, gleich wie sie aussieht, positiv oder negativ.

Als Christen beten zu unserem dreifaltigen Gott  und bringen unsere Anliegen in Form von Für-Bitten, für uns selbst und für andere (nicht nur für Menschen, die uns nahestehen, sondern auch für alle Bedürftigen) vor Gott.

Was heißt das in der heutigen Situation? Was bewirkt unser Gebet?
Können wir durch unser Für-Bittgebet den Lauf der Pandemie, den Lauf der Geschichte beeinflussen?

Es gibt Menschen, die die Erfahrung gemacht haben:      Beten hilft.
Die vielen Wallfahrtsorte, die es auf der Welt gibt, sind jedenfalls ein Zeugnis dafür, dass Menschen in ihrer Not durch das Gebet Hilfe erfahren haben.
Auch wenn viele Bitten, die wir aussprechen, nicht sofort oder nicht erfüllt werden, hat das Für-Bittgebet, das Gebet für andere, eine „Wirkung“,  wenn es bewusst überlegt und gesprochen wird.
Es kann unser Verhältnis zum Nächsten ändern.

Wenn manche Gebete nicht erhört werden, könnte es nicht auch daran liegen, dass wir Gott bitten etwas zu tun, was wir selber tun könnten, hier auch mit Blick auf die Flüchtlinge nicht nur in Griechenland. So fragte z. B. der österreichische Bundespräsident a. D. Heinz Fischer: „Was werden wir unseren Kindern und Enkelkindern antworten, wenn wir eines Tages gefragt werden, warum wir damals im März 2020 so lange zugeschaut haben – wissend, wie es zwei Flugstunden von Wien entfernt zugeht?“

 Beten und Bitten wir für die Menschen, die in Not sind, die krank sind, die Angst haben oder einsam sind, aber auch für uns, das wir Jesu Wort beherzigen:
„Alles, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch!

Helfen wir uns gegenseitig so gut wir können und bringen wir unsere Anliegen vor Gott in dem Vertrauen auf das Wort Jesu Christi:  „Bittet, dann wird euch gegeben“.

Hermann-Josef Lorenzen,  Diakon



Impuls vom 28.03.2020:

Unter dem Schutz der Gottesmutter

Die Marienwallfahrtsorte Kevelaer, Fatima oder Lourdes haben in diesen Tagen für Pilger geschlossen! Das schockiert viele Katholiken. Maria aber kennt keinen Ladenschluss oder Dienstende. Als Schutzpatronin Europas, als „Mutter aller Völker“, ist sie aktuell rund um die Uhr -ähnlich den vielen wichtigen Helfern im Medizin- oder Versorgungsbereich- im ausdauernden Dauereinsatz! Egal wie alt ein Mensch ist, in Maria hat jeder von uns für immer seine Mutter im Himmel, deren bergender Schoß für uns Zuflucht und Ruheplatz ist. Viele Pieta-Darstellungen in Kirchen bezeugen dies und sollten uns dazu einladen, mit einem „Gegrüßet-seist-du-Maria“ den Schutz und die fürbittende Hilfe der Gottesmutter zu suchen.

Maria war im täglichen Gebet so sehr mit Gott verbunden, dass sie in der Verkündigungsszene der Geburt Christi zwar über die Anrede des Engels erschrickt, nicht aber überhaupt über das Erscheinen des Engels Gabriel in ihrem Heim. Für sie scheint es nicht ungewohnt zu sein, Gott in ihrem Alltag zu erleben. Diese enge Verbindung zu Gott wurde für jeden von uns fruchtbar: „Und das Wort ist Fleisch geworden!“, berichtet das Johannesevangelium. Da, wo Gott ist, ist Leben! Das sollten wir weder in der aktuellen Pandemie vergessen, noch wenn wir als Christen auf das Wunder der Jungfrauengeburt  angesprochen werden.

Maria ist nach wie vor in Deutschland der meistgewählte Mädchentaufname. Die Hinwendung zu Maria als Fürsprecherin bei Gott ist nicht aus der Zeit gefallen. In diesen Tagen gehen manche abends den Rosenkranz betend um ihr Wohnviertel (Block Prayer) oder geben mit dem „Engel des Herrn“ (Gotteslob 3,6 ) ihrem Tag Struktur, wie es früher selbstverständlich war. Jeder Samstag ist der Gottesmutter gewidmet. „Samstags muss ich immer die Woche retten!“, sagte mir einmal ein Bekannter. Er meinte damit die in der Arbeitswoche liegen gebliebenen Besorgungen. Nehmen wir samstags die Gelegenheit wahr, mit Maria die Woche geistig gut zu beschließen und daraus in der Nächsten- und Gottesliebe selbst fruchtbar zu werden.

Gottes sei mit Ihnen und segne den heutigen Tag!

Dein/Euer/Ihr Diakon Georg Langer

Marpingen Maria Himmelfahrt Innen Schutzmantelmadonna
Quelle: atreyu, CC BY-SA 3.0


Lied: Segne du Maria GL 535; geschrieben 1916 in der Notzeit des ersten Weltkrieges
Quelle: YouTube | katholisch.de


Impuls vom 27.03.2020:

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele fühlen sich in diesen Tagen gefangen und eingesperrt. Aber mehr noch als die häusliche Enge und die sorgsam zu wahrende Distanz zum Mitmenschen fesselt und beschränkt sie eine tiefsitzende und vielgesichtige Angst:

Die Angst vor Ansteckung, die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und des materiellen Auskommens, die Angst vor dem Verlust geliebter Menschen, die Angst vor dem eigenen Tod. Für sich genommen ist die Angst nicht etwas grundsätzlich Schlechtes. Sie treibt uns an, alles Notwendige zu tun, um Gefahren für sich und andere abzuwehren.

Die negative Seite der Angst aber zeigt sich darin, sich von ihr buchstäblich lähmen, sich auf den Erhalt des eigenen Lebens fixieren zu lassen, eben nur noch sich selber zu leben, um so am Ende nur verzweifelnd den eigenen Tod vor Augen zu haben.

Im Psalm 124 heißt es:

„Hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt * – so soll Israel sagen -,
hätte sich nicht der Herr für uns eingesetzt, * als sich gegen uns Menschen erhoben,
dann hätten sie uns lebendig verschlungen, * als gegen uns ihr Zorn entbrannt war.
Dann hätten die Wasser uns weggespült, * hätte sich über uns ein Wildbach ergossen.
Dann hätten sich die Wasser ergossen, * die wilden und wogenden Wasser.

Gelobt sei der Herr, * der uns nicht ihren Zähnen als Beute überließ
Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen, *
das Netz ist zerrissen, und wir sind frei.
Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, * der Himmel und Erde gemacht hat.“

 

Lasset uns beten:

„Herr Jesus Christus, ganz ohne unser Verdienst,
nur weil Du mit der Macht Deiner göttlichen Liebe  das Netz des Todes zerrissen hast, in dem wir gefangen waren, sind wir Entkommene und Gerettete.
Denn in unserer Taufe hast Du uns Anteil gegeben an Deinem Sieg über den Tod dieser Welt.
Gewiss sind seine Netze noch in vielfältiger Weise in dieser Welt aufgestellt.
Aber niemand, der auf Dich vertraut, wird sich in ihnen rettungslos verfangen.
Denn Du hast uns zur Liebe befreit, in der allein das Leben in Fülle ist in Zeit und Ewigkeit.

Herr, wir glauben an Dich, hilf unserem Unglauben, damit wir frei bleiben von der lähmenden Angst, frei für Dich und Deine Liebe zum Vater und allen Menschen,
der Du in der Einheit mit dem Hl. Geist und dem Vater im Himmel lebst und liebst in Ewigkeit. Amen.“

 

Ihr Msgr. W. Korfmacher.


Impuls vom 26.03.2020:

 

Text zum nachlesen

Wohl niemand von uns hätte sich das vor einigen Wochen überhaupt vorstellen können: bundesweit und auch in unseren Nachbarländern müssen alle öffentlichen Gottesdienste ausfallen. Das gemeinschaftliche religiöse Leben ist vollkommen eingeschränkt. So etwas hat es in der Geschichte des Christentums noch nie gegeben.

Und auch das wirtschaftliche, kulturelle und soziale Leben ist inzwischen auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Alten- und Krankenpflege, Rettungsdienste und die ärztliche Versorgung der Bevölkerung stehen vor ungeahnten und sehr großen Herausforderungen. Die weitreichenden Folgen aus all dem kann zurzeit noch niemand abschätzen.

Da stellt sich die Frage, wie wir diese bedrängende und für viele Menschen höchst belastende Situation überhaupt bestehen können. Was kann uns Halt geben und Mut machen in dieser Bedrängnis?

Mir fallen die Worte von Psalm 31 ein, der in der neuen Einheitsübersetzung von 2016 überschrieben ist mit: „Gott, die sichere Zuflucht“.
In den Versen 14 und 15 heißt es dort: „Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut, ich habe gesagt: Mein Gott bist du. Meine Zeit steht in deinen Händen.“

Bei all dem, was uns in diesen Tagen abverlangt wird, was viele infizierte Menschen und ihre Angehörigen an Ängsten und Verzweiflung durchmachen müssen, können wir – wie der alttestamentliche Beter – unsere Zuflucht in Gott finden. Als menschliche Wesen haben wir einfach nicht alles selbst in der Hand. Das wird uns in diesen Tagen brutal vor Augen geführt. – Unsere Zeit, ja unser ganzes Leben, steht in Gottes Händen. Vielleicht können auch wir, trotz aller Bedrängnis und Not, Vertrauen auf ihn wagen.

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag ich: Was wird Morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

Pfarrer Elmar Kirchner
Orgel Kantor Peter Höngesberg


Impuls vom 25.03.2020:

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

So können wir am heutigen Tag, dem Fest der Verkündigung des Herrn fragen. Denn am 25. März, genau neun Monate vor Weihnachten, hören wir im Evangelium, wie der Engel Gabriel von Gott zu Maria nach Nazareth gesandt wird. Er soll ihr ausrichten, dass sie von Gott auserwählt ist, die Mutter des Messias, des Gottessohnes, Jesus Christus, zu werden. So wird die Gottesmutterschaft das zentrale Geheimnis im Leben Marias und hängt damit eng mit Weihnachten zusammen.

Jeden Tag hören wir dieses Evangelium sozusagen akustisch, wenn uns eine Kirchenglocke morgens, mittags und abends zum Angelus, zum „Engel des Herrn“ ruft. Denn das Gebet „Engel des Herrn“ ist die Kurzfassung des heutigen Evangeliums (Lk 1,26-38). Es erinnert uns an die einmalige Berufung Marias zur Mutter des Gottessohnes. Die Initiative geht von Gott aus („Der Engel des Herrn brachte Maria die frohe Botschaft“), und Maria antwortet mit ihrem Ja.

Gott kommt auch auf uns immer wieder zu und spricht uns an, nicht nur durch einen Engel wie bei Maria: etwa durch Zeichen, Anstöße und Impulse. Gott spricht auch durch die Not in dieser schwierigen Zeit, durch einen leisen Gedanken, durch den freundlichen oder bittenden Blick eines Menschen.

In diesen Tagen gibt es viele Menschen, die auf andere in ganz besonderer Weise achten und sie unterstützen. Viele tun dies aus der Kraft des Glaubens heraus, weil sie spüren, dass es gerade jetzt wichtig ist, die Gaben, die Gott ihnen geschenkt hat, für Menschen einzusetzen, die die Hilfe besonders gut gebrauchen können.

Die Zusage des Engels an Maria („Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir!“) kann uns gerade jetzt eine Stütze und ein Halt, aber auch ein Ansporn sein, durch unser Ja zu Gott eine Antwort zu geben auf den Anruf Gottes an jeden von uns.

Pfr. Guido Dalhaus


Impuls vom 24.03.2020:

Seit ungefähr 2010 höre und schätze ich die Musik der Antilopen Gang – gute Beats, intelligente, hintergründige und politische Texte. Eine Rapgruppe, deren Einzelkünstler (Koljah, Panik Panzer und Danger Dan) immer wieder Soloprojekte starten. Aktuell ist Danger Dan mit seinem Song „Nudeln und Klopapier“ auf sämtlichen Streamingportalen und bei Youtube präsent.

Das Interessante ist, dass dieser Song entstand, als der Musiker freiwillig einer Empfehlung des Bundesgesundheitsminister folgte: alle Einreisende aus der Schweiz sollten sich freiwillig 14 Tage in Quarantäne begeben; Grund war die Rückkehr der Band von einem Konzert in Bern.

„Nudeln und Klopapier“ ist die lyrische und musikalische Betrachtung eines aktuell viel gesehen und kommentierten Phänomens.

Die Essenz des Songs steckt für mich im Refrain: „Und jedes Blatt Klopapier auf dieser Welt (…) würde ich geben für ein Ende der Quarantäne und für einen Frühlingsspaziergang mit dir durch den Berliner Zoo.“

Wo zur Zeit alles eingeschränkt ist, die eigenen Gewohnheiten und Alltagsabläufe sich ändern, stellt sich mir die tatsächlich die Frage nach Wertigkeiten und Wichtigkeiten für Dinge. Wenn ich Vieles umwerfen und anders Denken und Handeln muss – was ist die Konstante? Was ist mein Werteleuchtturm?

Tief in mir verwurzelt sind die Worte und Taten von Jesus Christus, u. a. auch folgende Frage Jesu an den um Hilfe rufenden Bartimäus: „Was willst du, dass ich dir tue?“, also gewissermaßen eine Servicefrage – bekannt aus Telefonhotlines: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Als Christ stelle ich die jesuanische Frage bewusst und ehrlich und ohne Oberflächlichkeit dem Menschen, der mir begegnet (im Moment eher virtuell und telefonisch). Nicht unbedingt immer als laut geäußerte oder ausgeschriebene Frage, sondern als achtsames Hinhören und Hinschauen. Und dann heisst es, dementsprechend zu Handeln. Jesus Christus fordert heraus: Der Weg des christlichen Handelns ist nicht breit und bequem, sondern schmal und steinig. Das braucht Kraft, Durchhaltevermögen, Geduld und Empathie. Im Gebet spricht Gott mir zu, diese Dinge abrufen zu können und zu dürfen (!).

Auch wenn dann die Antwort lauten sollte, dass Klopapier und Nudeln gebraucht werden.

Pastoralreferent Thomas Burgmer



Quelle: YouTube | Antilopen Gang


Impuls vom 23.03.2020:

Liebe Schwestern und Brüder,

die Tageslesungen dieser Woche wollen uns die Gründe der christlichen Freude beleuchten und somit die selbe Freude in den oft grauen und mühsamen Alltag bringen. Das ist das Echo des Freudensonntags (Dominica Laetare), den wir gestern gefeiert haben, und in der gegenwärtigen Situation gibt es wenige Dinge, die wir mehr brauchen als hoffnungsvolle Freude. Die heutige erste Lesung (Jes 65,17-21) legt es uns nahe, dass diese Freude aus der Annahme einer besonderen Perspektive kommt – aus der Annahme der Perspektive Gottes, der wir Glauben schenken sollen: Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde! Diese Worte haben die Kraft, uns neue Augen für die laufende Lage zu schenken: Wir dürfen in ihr eine Erinnerung sehen, dass diese Welt vergeht, aber auch dass uns eine wunderbare Zukunft erwartet. Dies wird dadurch bekräftigt, dass Gott die völlige Beseitigung der exemplarisch schlimmsten Dinge dieser Welt verspricht – des Sterbens der Kinder und jeder Art vorzeitigen Todes. Gott weiß, dass wir leiden und dass wir Angst haben. Dass wir mit dem Tod konfrontiert sind, wie der königliche Beamte aus dem Tagesevangelium. Um seine Verheißung und seine Perspektive zu bestätigen, hat Gott uns eine Person geschickt. Vielleicht haben wir, gleich wie der Beamte, von seinen Wundern gehört. Es spricht sich rum, dass er wieder in der Gegend ist. Für die Fastenzeit gilt nämlich: Jetzt ist sie da – die Zeit der Gnade, jetzt ist er da – der Tag des Heiles (vgl. 2Kor 6,2). Sind wir betrübt, beängstigt, in jederlei Not? – suchen wir diesen Jesus, wie der Beamte! Haben wir ihn gefunden? – Bitten wir ihn um Rettung aus unserer Not! Hat er uns was geantwortet? – schenken wir ihm Glauben und tun wir was er sagt! Der Glaube macht die beschriebene Perspektive Gottes präsent: Geh, dein Sohn lebt! Für dich und für mich heute: Hab keine Angst, auf dich wartet Leben! Diese Perspektive brauchen wir, um in der Gegenwart freudig und mutig zu handeln.

Ihr Kaplan Hrvoje Bušić